Alles lief wie geplant. Die einzige digitale Volkspartei hat wieder einen Vorsitzenden, gewählt auf dem 33. Parteitag, mit einem analogen Teilnehmerkreis in der Berliner Messe und einem digitalen Delegiertenkreis in den heimischen Wohnzimmern.
Vor einem Jahr war Merkels Versuch, Amt und Parteivorsitz zu trennen, geplatzt. Die erfolglose Parteivorsitzende AKK (Annegret-Kramp-Karrenbauer) erklärte ihren Rücktritt. Nach kurzer Zeit sprangen drei Herren in die Bresche und erklärten ihre Absicht, sich für dieses hohe Parteiamt zu bewerben. Armin Laschet, Landesvater aus NRW, Friedrich Merz, ein Finanzmanager, sowie Gesundheitsminister Jens Spahn, der jedoch nach kurzer Zeit seine Kandidatur aufgrund schwacher Umfragewerte zurückzog und sich auf die Seite von Laschet schlug. Jetzt galt es für die Union, sich für ein Weiterso unter Laschet oder einen Umbruch mit Merz zu entscheiden.
Die Umfragewerte sprachen Bände für Friedrich Merz, gar nicht im Sinne der Merkel-Anhänger und der Gewerkschaften. Ein dritter Bewerber musste her, um bei der Abstimmung wenigstens eine Stichwahl zu ermöglichen. Wie aus dem Hut gezaubert, tauchte ein gescheiterter NRW- Landespolitiker und jetziger Außenpolitiker Norbert Röttgen auf, der von Anfang an natürlich nur eine Außenseiterrolle spielte. Aber er hatte die Frauenunion auf seiner Seite, weil er sich vehement für Stärkung des Frauenanteils in der Führungsspitze der CDU aussprach.
Auf dem Parteitag hatten alle Kandidaten die Möglichkeit, ihre Vorstellungen zur ihrer Rolle in der CDU nochmals darzulegen, was sie auch mehr oder weniger geschickt, emotional taten. Dann die Diskussion der Delegierten. Drei Promille der Delegierten verspürten das Bedürfnis dazu. Der erste stellte eine belanglose Frage, der zweite hatte ein technisches Problem und konnte nicht gehört werden und der dritte, Jens Spahn, sang ein Loblied auf Armin Laschet.
Und es kam genauso, wie vom Zeremonienmeister geplant. Klarer Sieger Friedrich Merz, danach Armin Laschet und abgeschlagen Norbert Röttgen. Keine absolute Mehrheit für Merz, deshalb gab es eine Stichwahl, die Laschet mit den Stimmen der Röttgen-Wähler klar gewann. So geht Demokratie!
Dass künftig das „D“ im Parteinamen nicht mehr für demokratisch, sondern für digital steht, ist wohl ein Fake. War der 33. Parteitag die Generalprobe für die Wahl des Kanzlerkandidaten?
Peter Hannemann, Cottbus