Niemand uninformiert
Ich bin doch sehr verwundert über die Art Ihrer Berichterstattung. Das begann schon bei Ihrer Ankündigung der Demo, als Sie von rund 10 000 angemeldeten Teilnehmern sprachen – obwohl bekannt war, dass die Demonstration für 500 000 Teilnehmer angemeldet wurde. Gut, es kann passieren, dass man sich vertut, aber auch redaktionell oder multimedial vorgefertigte Meldungen sollten sorgfältig überprüft werden.
Meine große Enttäuschung aber war der Beitrag „Politiker zeigen sich entsetzt über Demo der Corona-Leugner“ am Montag darauf. Der Beitrag gibt die Meinungen von Politikern wieder. Dazu möchte ich mich äußern: Karl Lauterbach bezeichnet das Verhalten der Demonstranten als „uninformiert, rücksichtslos und selbstgerecht“.
Zu „uninformiert“: Ich bin langjährige Leserin der Rundschau, auch der ZEIT, schaue Nachrichten bei ARD und ZDF. Im Laufe der Corona-Krise bemerkte ich, dass immer einheitlicher und angsterzeugender berichtetet wurde. So begann ich, selbst zu recherchieren, schaute mir die Zahlen des Robert Koch-Institutes an, des Statistischen Bundesamtes, informierte mich bei Euromomo und der Corona-Initiative des Deutschen Mittelstandes. Ich hörte unzählige Expertenmeinungen, lernte viele freie Medien kennen und etliche davon sehr schätzen. Ich bin kein Arzt (das ist Herr Spahn ja auch nicht), aber ich habe mich nie zuvor in meinem Leben so umfassend mit einem Thema beschäftigt. Die angenommene Gefährlichkeit des Virus’ hat mich so aktiv werden lassen. Ich war nicht nur Teilnehmerin dieser so bunten und friedlichen Demo, ich habe auch mit vielen Menschen dort gesprochen und sehr kompetente und klare Gedanken gehört. So viel zum Thema „uninformiert“.
Zu „rücksichtslos“: Als rücksichtslos empfinde ich Maßnahmen wie den Zwang, Masken zu tragen (besonders für Kinder und ältere Menschen), obwohl es Studien zu der Unsinnigkeit, sogar gesundheitsgefährdenden Kontraproduktivität dazu gibt.  (...)
Zu „selbstgerecht“: Selbstgerecht ist es, wenn Prof. Wieler als Leiter des RKI davon spricht, dass die Menschen das Tragen der Masken nie hinterfragen dürfen. Umgekehrt ist es: Jede solche Maßnahme, die in den Lebensbereich und die Grundrechte der Bürger eingreift, muss zeitnah und regelmäßig von der Regierung geprüft und darf nur befristet verordnet werden. Die Regierung muss der Bevölkerung plausibel und selbstverständlich wissenschaftlich belegt nahebringen, was die Grundlagen ihrer Maßnahmen sind. Nicht nachdenken (schlimmer: nie) bedeutet die Abschaffung des ehrlichen wissenschaftlichen Handelns und eine Degradierung des selbstbestimmten Bürgers zu einem Untertanen.
Zu „Corona-Leugner“: Kein Einziger, mit denen ich gesprochen habe, leugnet das SarsCoV-2 und dass man davon krank werden kann. Es geht um die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen. Es gibt den bewährten und moralisch überzeugenden Grundsatz in der Medizin, dass die Therapie nicht schädlicher sein darf als die Krankheit selbst.
Zu „Nazigedankengut“: Dieses probate Mittel, andersdenkende Menschen als rechtsradikal zu diffamieren und sie damit medial zu „verbrennen“ (im Mittelalter benutzte man noch echte Scheiterhaufen), zeigt immer noch enorme Wirkung. Ich muss gestehen, ganz kann ich den Schmerz darüber noch nicht wegstecken. (...)
Zuletzt möchte ich Ihnen einen Ausschnitt eines Interviews mit Julian Nida-Rümelin, (Prof. für Philosophie und politische Theorie, Ex-Kulturstaatsminister, Mitglied im Deutschen Ethikrat) aus der Süddeutschen Zeitung vom 22. Mai übermitteln: „Wir leben in einer freiheitlichen Gesellschaft, letztlich ist es eine Entscheidung jeder einzelnen Person, wie viel Risiko sie für sich übernehmen will. Wenn Neunzigjährige ihre Enkel sehen wollen in den letzten Lebensmonaten oder -jahren, dann dürfen wir ihnen das nicht verbieten. (...)Schutz heißt nicht Isolierung, heißt nicht: mittelalterliche Maßnahmen. Es geht doch um Zuwendung, um soziale Nähe,(...) Der Ausdruck soziale Distanz ist ein Unding.(...) Einen zweiten Shutdown sollten wir unbedingt vermeiden.“
Maria Kleo, Cottbus
Ohne Mund-und Nasenschutz
Die Kritik von  Uwe Proft zum LR-Journalismus im Leserbrief „Es waren viel mehr Menschen“ in der LR vom 10. August finde ich anmaßend.  Was soll ein Journalist zu diesem Bild hinterfragen? Wie kann man die Angaben der Polizei zur Teilnehmerzahl anzweifeln? Da würde ich die Angaben von Twitter schon eher bezweifeln! Wobei die Anzahl der Demonstranten zweitrangig ist.
Ich sehe nur Menschenmassen, die ohne Mund- und Nasenschutz auf engstem Raum und ohne Sicherheitsabstand wichtige und richtige Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie ignorieren. Ich sehe auch bei der friedlichen Demonstration verantwortungslose Menschen, die die vergangenen Monate des Verzichts des normalen Umgangs der Menschen untereinander und die Schwierigkeiten in fast allen Bereichen des täglichen Lebens vergessen haben. Von den Rückschlägen der Wirtschaft ganz zu schweigen.
Ist diesen Demonstranten total egal, ob eine zweite Welle der Pandemie unser Land  abermals lähmt und vielen Menschen gesundheitliche Probleme bereitet oder sogar  zum Tode führt?
Herbert Stein, Lübbenau