Die folgenden Lesermeinungen beziehen sich auf die Ministerpräsidenten-Wahl in Thüringen.

Wendefähige Untertanen

Für mich ergibt sich folgende Erkenntnis. Erstens: Das demokratische Verständnis der CDU/CSU und der FDP besteht darin, dass Mitglieder der AfD und der Linken grundsätzlich nicht wählbar sind. So wird eine Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben, die CDU/CSU und FDP nicht wahrhaben wollen. Zweitens: Ein Wahlergebnis für die Landtage und demnächst wohl auch für die Kommunen wird nur akzeptiert und entschieden in Berlin (...). Dies wird als eine Gefahr für die liberale Demokratie gesehen, von der die FDP spricht. Drittens: Die Gleichbehandlung aller Parteimitglieder zeigt sich in der Sache Grußadressen an Herrn Kemmerich zu seiner Wahl. Der Ostbeauftragte wird von Frau Merkel sofort entlassen. Diesem Schicksal entgeht Michael Stübgen, CDU-Chef in Brandenburg. Er widerruft am nächsten Tag. Nicht nur sein Vize, sondern auch andere Parteimitglieder verhalten sich so als wendefähige, untertänige CDU-Mitglieder. Wäre es nicht folgerichtig, alle Jubeltöner für Herrn Kemmerich aus der Partei auszuschließen? Wie aus der LR zu  erfahren, entscheidet sich die SPD ebenfalls für die Ausgrenzung von AfD und Linken. Und alle arbeiten natürlich nur für das Land!

Gotthard Lukas, Finsterwalde

Lesermeinungen Skandal mit Ansage

Cottbus

Selbstherrlichkeit

Wie ermutigend und tragfähig ist unsere Demokratie, um selbstbewusstes demokratisches Handeln ernst zu nehmen? In Thüringen findet die Wahl zum Amt des Ministerpräsidenten statt, formal ohne Beanstandung, mutig mit parteipolitischen Raffinessen und Kalkülen, aber wohl doch auf dem Boden Grundgesetzes. Dann folgt eine Beanstandung derselben in einer hysterischen Heftigkeit über alle öffentlichen Medien und mit geballter ideologischer Scheinheiligkeit. Geltendes Recht weicht plötzlich medienverbreiteter Selbstherrlichkeit. So wird es kaum gelingen, mit sicheren Schritten Wege der Versöhnung zu finden und sie so zu begehen, damit unser Land in allen Herausforderungen Zukunft hat.

Michael Moogk, Döbern

Freiheit der  Andersdenkenden

(...) Wie viel Macht die CDU und die Dauerkanzlerin mittlerweile besitzen, um sofort die sonst so merkelkritische FDP auf Kurs zu zwingen! Alle Achtung Herr Lindner! Nach dem Motto, wenn es nicht nach unserem Willen geht, werden wir halt bockig und extrem undemokratisch!

Millionen von Wählern haben in Deutschland die AfD gewählt! Klar sind viele Protestwähler! Aber hier muss man sich die Frage stellen, wie konnte es dazu kommen? Meiner Meinung nach werden die vielen Millionen konservativ eingestellten Bürger, die keine Nazis sind, politisch nicht mehr vertreten! (...) Seitdem die CDU unter Kanzlerin Merkel weit nach links gerückt ist, hat die CDU den Weg für eine neue Volkspartei selber geebnet! Damit bekam die AfD Millionen von Wählerstimmen. Ich frage mich, was hier undemokratisch sein soll? Mit der Linkspartei, damals noch PDS, hat man es genauso getrieben! Ich erinnere an die Rote-Socken-Kampagne. Der peinliche Umgang der Demokratie mit dem hoch verdiehnten Stefan Heym! Als Kritiker der DDR in der West-Presse hoch gefeiert, fiel er als Alterspräsident des  Bundestages in Ungnade, als er kritische Äußerungen über politische Missstände in der Bundesrepublik verlauten ließ. (...)

Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden, auch wenn es so Manchem nicht in den Kram passt! Volksparteien und Medien in Deutschland sägen mehr an ihrem eigenen Ast, als an dem Ast ihrer Politik- und Gesinnungskonkurrenten! Demokratie leben und nicht Meinungsmanipulation betreiben – das kommt beim Bürger besser an.

Andreas Dietze, Uebigau Wahrenbrück

Sie haben es wieder getan!

Nachdem bei der EU-Parlamentswahl im Mai 2019 der Wille von Millionen Wählern aus partei- und machtpolitischen Interessen ignoriert wurde, ist in Thüringen erneut das Votum der Wähler ausgeblendet worden.

Es ging überhaupt nicht mehr um Thüringen, oder die Verdienste des auch zur Wahl angetretenen Herrn Ramelow. (...)  Die Einen nennen die Anderen „Faschisten“, und die Anderen nennen die Einen immer noch „Nachfolgepartei der SED“.

Auch wenn Herr Kemmerich seinen Rücktritt erklärt hat, alle Akteure vehement zurückrudern oder so tun, als hätten die thüringer FDP-ler und CDU-ler sich nicht mit „Oben“ abgestimmt, der Skandal ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. (...)

Die „Idee“, mit Hilfe der AfD Rot-Grün zu verhindern, wird für FDP und CDU schwerwiegende Konsequenzen haben, nicht nur, was die Politikverdrossenheit und die Wahrhaftigkeit der etablierten Parteien angeht. Das hat wohl auch Frau Kramp-Karrenbauer erkannt. Zuerst waren Neuwahlen in Thüringen auch für sie eine Option. Nun sucht sie aber nach Alternativen, weil, so wird uns beigebracht, dass bei Neuwahlen eine ähnliche Konstellation wie jetzt herauskommen, und Thüringen erneut unregierbar sein  würde. Ich denke, in Wahrheit geht in der CDU die Angst um, dass bei Neuwahlen der Skandal von Erfurt von den Wählern gehörig abgestraft werden würde, und die Partei keinen Fuß mehr auf den Boden bekäme. (...)

Rüdiger Jungnickel, Cottbus