Weiche Faktoren auch wichtig
(...) Es wurde mehrfach auf den Boom der Stadt in den 60er- und 70er-Jahren Bezug genommen. Man kann den Bogen weiter spannen und die davorliegende großartige Entwicklung unserer Stadt am Übergang 19./20. Jahrhundert betrachten. Eines hatten diese beiden Phasen gemein: Die Stadtväter hatten die Verschönerung von Stadt und Umfeld im Auge. Vor 120 Jahren wurde die Anlage des Goethe-Parks, des Volksparks Madlower Schluchten, in den 1970er-Jahren die Anlage der Cottbuser Badeseen geschaffen.
Cottbus als Südbrandenburger Metropole hat Großes vor. Im Rahmen des Kohleausstieges fließen Millionen in die Strukturent­wicklung. Fachkräfte in Größenordnungen sollen im Carl-Thiem-Klinikum einmünden. Für diese Menschen spielen auch die „weichen“ Standortfaktoren wie Erholungsmöglichkeiten und eine intakte Infrastruktur bei ihrer Entscheidungsfindung für die Niederlausitz eine nicht zu unterschätzende Rolle.
Wie wenige andere Großstädte ist Cottbus von einer Kette Badeseen umgeben, die als Naherholungsgebiete in den 70er-Jahren angelegt wurden.  Ein Pfund, um das uns so manche andere Stadt beneidet. (...) Doch: Herrliches Badewetter – und was hat Cottbus zu bieten? Das eine Freibad ist zu wenig! Der Cottbuser Ostsee  ist schöne Zukunftsmusik. Im Branitzer Badesee, der noch den gepflegtesten Eindruck macht und auch über Gastronomie verfügt, ist der Wasserspiegel stark gesunken, leider auch die -qualität.
Der Madlower Badesee dient neben unentwegten Badelustigen und Anglern zunehmend Hunden und neuerdings auch Pferden als Badestelle. Viel besser sieht es auch am Ströbitzer und Sachsendorfer See nicht aus. Es sollte möglich sein, in diesem Kontext Mittel bereitzustellen, um zumindest den Madlower und den Ströbitzer Badesee attraktiv zu machen. (...) Im informativen Stadtführer Cottbus und Umgebung sind in der Rubrik Wellness/Gesundheit/Sport nur ein Beitrag zur Lagune und zur Burger Spreewaldtherme enthalten. Wie gut könnten hier schön gestaltete Badeseen das Cottbuser Image aufwerten. (...)
Ulrich Siegert, Cottbus
Anmerkung der Redaktion: In Cottbus gibt es keine offiziellen Badegewässer – Baden geschieht in jedem Fall auf eigene Gefahr, heißt es auf der Internetseite der Stadt vom 11. Juni 2020.
Zu viel öffentlicher Sektor
Was Oberbürgermeister Kelch für die Stadt da prophezeit, kann man leider nicht ganz nachvollziehen. Damals, in der Planwirtschaft der DDR, erfolgte eine Konzentrierung der Energiewirtschaft im Bezirk Cottbus, und das war eine reine industrielle Sparte.
Schaut man sich aber heute die Maßnahmen des Strukturwandels für Cottbus an, erfolgt ein reiner Behörden-/Verwaltungs- und Institutsaufbau. Ausnahme ist das RAW (Instandhaltungswerk der Bahn), das durch politischen Einsatz vor dem sicheren Aus bewahrt wurde.
Der Aufwuchs im öffentlichen Sektor ist an sich nicht verkehrt, verzerrt aber weiter die Arbeitsmarkt- und Wohnungsmarktverhältnisse. Bundesweit ist Cottbus bereits ein Unikum, da Frauen im Vergleich zu Männern deutlich mehr verdienen – ein Ergebnis  der vielen Verwaltungsjobs in der Stadt, in denen eben mehr Frauen arbeiten.
Es werden in Zukunft auch Mitarbeiter des öffentlichen Sektors sein, die sich neue und sanierte Wohnungen in der Stadt leisten können, für Angestellte des Handwerks, Dienstleister sieht es dann schlecht aus. Der Aufbau eines Wirtschaftsdezernats ist vom Begriff (nicht von der Aufgabenstellung) unglücklich gewählt – dazu gibt es anteilig zu wenig Wirtschaft in der Stadt.
Alexander Kahl-Schwarz, Cottbus