Gerade gönnten wir uns einen Blick in die Lausitz von der Höhe des Besucherbergwerks F 60 Lichterfeld, als das Kohlegesetz von der Bundesregierung als historisch gefeiert wurde. (Die Lausitz soll 17,2 Milliarden Euro für Bund- und Länderprojekte zur Strukturstärkung bekommen, d. Red.)

Kohlelobby einst und jetzt

Auf die Landschaft in der Lausitz blickend, ist heute nur noch selten von Mondlandschaft zu hören. Verbrechen der DDR an Natur und Umwelt wegen des Kohleabbaus werden auch nur sehr verhalten, eher leise, verschämt thematisiert. Nur die ewig Dummen merken noch immer nicht, was bis heute vor sich geht um die Kohle als Profitobjekt. Klimaschutz scheint heute nicht mehr so interessant und wichtig wie einst. Stilllegung und Abschaltung von der Kohle hat plötzlich Zeit, bis zum Jahr 2038. Kommt Zeit, kommt Rat, werden sich Politik und Konzerne sagen.

Die einst Kohleabbau in der DDR verteufelten, die fragen heute klug und wichtigtuerisch, ob wir denn auch wüssten, dass Strom aus der Steckdose komme. War das mal anders?
Kohlelobby heute ist etwas noch ganz anderes als VEB Schwarze Pumpe und Co., als es um tägliche Verantwortung für Gesellschaft und Bevölkerung winters wie sommers ging, unter schwersten Arbeitsbedingungen, ohne viele andere Alternativen. Heute ist vieles anders, wäre nicht notwendig, aber Profite, Subventionierung mit Steuergeld macht Kohleabbau weiter privatisiert lukrativ. Wer seinen Arbeitsplatz gefährdet sieht, ist leicht zu überzeugen. Das war auch mal anders.
Also weiter so, und die Störenfriede sind heute die Klima-, Natur- und Umweltaktivisten. Wie sich die Zeiten ändern.
Roland Winkler, Aue
Uniklinik könnte es schon geben

Ein ganz anderer Aspekt im Zusammenhang mit dem Strukturwandel in der Lausitz beschäftigt Prof. Dr. med. Hans Schweisfurth, ehemaliger Chef­arzt der III. Medizinischen Klinik des CTK in Cottbus. Er schreibt:

Das Carl-Thiem-Klinikum in Cottbus hatte bereits nach der Wende alle Voraussetzungen, eine Universitätsklinik zu werden. Leider wurde aber der Vorschlag des Gründungsrektors der Technischen Universität Cottbus, Prof. Dr. Ing. Günter Spur, abgelehnt, eine Medizinische Fakultät an dieser neu gegründeten Universität einzurichten. 1994 erfolgte die Umbenennung in Brandenburgische Technische Universität Cottbus (BTU).
Da das Bundesland Brandenburg im Gegensatz zu den anderen Bundesländern keine eigene Medizinische Fakultät besitzt, habe ich den Gedanken aufgegriffen und im Brandenburgischen Landtag am 16. März 2006 auf Einladung der Landtagsabgeordneten Dr. med. Martina Münch und in Anwesenheit der Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und der Gesundheitsministerin des Landes Brandenburg, Dagmar Ziegler, vorgeschlagen, eine Medizinische Fakultät an der BTU Cottbus einzurichten und das Carl-Thiem-Klinikum in ein Universitätsklinikum zu überführen. Den gleichen Vorschlag habe ich der damaligen Wissenschaftsministerin des Landes Brandenburg, Prof. Dr. rer. nat. Johanna Wanka, anlässlich eines Kamingesprächs in einem Hotel in Branitz gemacht. (...)
Meine Vorschläge wurden aber damals nicht ernst genommen. Erst jetzt, also 14 Jahre später, wurde wegen des Ausstiegs aus der Braunkohle beschlossen, das Carl-Thiem-­Klinikum in ein Universitätsklinikum zu überführen. Diese Entwicklung ist sehr erfreulich, hätte aber zum Nutzen der Bevölkerung schon wesentlich früher erfolgen können.
Prof. Hans Schweisfurth,
Cottbus