Am besten: Urwald

Um es vorweg zu nehmen, Urwald! Es geht um verbrannte Forstflächen in Brandenburg. Ein Großteil dieser Waldflächen ist in Privatbesitz, ist zu lesen. Wer aber die Statistiken zu Brandenburgs Wäldern und den verbrannten Forstflächen zu Rate zieht, kommt allerdings zu einem ganz anderen Ergebnis.

Brandenburgs Waldfläche ist insgesamt 1, 1 Millionen Hektar groß, davon gab es 1352 Hektar Waldbrandflächen im Jahr 2019. Allein auf den 13 600 Hektar der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg (vier ehemalige Truppenübungsplätze) hatte es im vorigen Jahr auf mehr als 1000  Hektar gebrannt. Das sind 73,96 Prozent aller Waldbrände in Brandenburg. Privatwald mit 79 976 Hektar schneidet in dieser Statistik also recht gut ab.
Stellt sich die Frage, wie es zu solch einem Ergebnis kommen kann und warum es diese Fehlinformation gibt. Vielleicht wird das Forschungsprojekt „Pyrophob“, das sich die Waldbrandvermeidung und Waldbranderholung auf die Fahnen geschrieben hat, eine Antwort finden. Die Stiftung NLB (Naturlandschaften Brandenburg) ist an dem Projekt auch beteiligt und könnte für Aufklärung sorgen. Sie setzt allerdings, wie im Artikel zu lesen ist, auf die heilende Kraft der Natur. Dr. Hans-Joachim Mader, Geschäftsführer der Stiftung, erklärte es einmal so: „Man muss lernen, die Natur zu akzeptieren. Dazu kann auch ein kleinerer Brand oder der Borkenkäfer gehören.“ Es bleibt aber eben nicht bei kleinen Bränden, das zeigt die Statistik. Doch akzeptieren (lat. accipere) heißt gutheißen, annehmen, billigen. Das geschieht offensichtlich nicht nur von Herrn Dr. Mader nicht.
Katrin Göring-Eckardt (Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen/Bündnis 90) forderte einst eine Urwald-Offensive für fünf Prozent der Waldfläche, so dass „Natur wieder Natur sein kann, ohne menschliche Eingriffe“. Das scheint mir jedoch ein irrealer Plan für das kleine Deutschland. Göring-Eckardts Programm und das der Stiftung Naturlandschaften geht in Riesenschritten voran, wir sind ja bei zwei Prozent Urwald,  Im Jahr 2010 waren es noch 0,5 Prozent. Ich wünschte mir, dass alles wirklich ohne menschliche Eingriffe passiert.

Wolfgang Berg, Drachhausen

Anmerkung der Redaktion: Das Brandenburger Forschungsprojekt „Pyrophob“ (zu deutsch: feuerabweisend) soll nicht allein die Forschung voranbringen. Auch Bürger, Schüler, Experten, Praktiker und Entscheidungsträger sind angesprochen, sich mit den Gebieten und ihrer Brandgeschichte sowie deren ökosystemarer Entwicklung auseinanderzusetzen.

Das auf fünf Jahre angelegte Forschungsprojekt wird vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe und vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.
Im Vergleich der Bundesländer lag das Land Brandenburg im Vorjahr mit 417 Bränden auf rund 1352 Hek­tar Fläche an der Spitze Deutschlands. (www.forstpraxis.de)