Es gab mal einen Ehrentag

Vielen herzlichen Dank, Herr Thiessen. Sie sind tatsächlich einer von den wirklich, wirklich wenigen Menschen, die erkennen und, zumindest im Ansatz in diesem Kommentar, verbalisieren, welche Herausforderungen und Risiken in den vergangenen drei Monaten uns Erziehern zugemutet wurden. („Die Falschen baden es aus“, LR vom 12. Juni)

An „vorderster Front“ arbeiteten wir ohne Mindestabstand, Mundschutz, Plexiglasscheibe. Kinder, vor allem in diesen Zeiten, müssen getröstet und in den Arm genommen werden, brauchen ein Lächeln ihrer Kindergärtnerin und sinnvolle Beschäftigungen durch ihre Horterzieherinnen. Ohne uns hätten die „Helden der Corona-Krise“ oft gar nicht arbeiten gehen können. Kaum jemand hat sich bei uns für unseren Einsatz bedankt – nicht mit Applaus und auch jetzt nicht mit einer Sonderprämie!
Die Schulen bleiben noch im Schongang, dann schließen sich sechs Wochen Sommerferien an, und Frau Ernst (Brandenburgs Bildungsministerin, d. Red.) öffnet Hals über Kopf die Kitas! Weil Kinder ein Recht auf Bildung haben!
Wenn ich nicht gerade damit beschäftigt wäre, unsere Abläufe für die Wiedereröffnung zu bedenken und so gut wie möglich zu gestalten, die Räumlichkeiten zu optimieren und am laufenden Band Elterngespräche zur Wiederaufnahme meiner Krippenkinder zu führen, würde ich jetzt einen hysterischen Lachanfall über diese Aussage bekommen.
Also vielen herzlichen Dank, Herr Thiessen, dass Sie unsere Berufsgruppe wahrgenommen haben – bezeichnender Weise am 12. Juni! Früher war das der Ehrentag der Lehrer und Erzieher.
Anne Bischoff, Guben
Unterricht bitte wie vor Corona

Die Worte der Brandenburger Bildungsministerin „Ab kommendem Schuljahr sollen die Corona-Regeln wieder aufgehoben werden“, (LR vom 5. Juni), klingen vielversprechend, setzen aber voraus, dass es bis zum Beginn der Sommerferien verbindliche Anweisungen geben muss. Der Flickenteppich in der Ausgestaltung des Unterrichts kann nicht die Normalität sein. Es muss der Grundsatz gelten, der Unterricht wird wie vor Corona durchgeführt.

Und wenn es notwendig wird, einschränkende Maßnahmen durchzuführen, so müssen diese immer Einzelfallentscheidungen sein.
Das Wichtigste ist es aber, den Schulanfängern  einen ordentlichen, feierlichen Schulanfang zu gewährleisten. Im gesamten Klassenverband mit Einschulungsfeier. Jeder Schulanfänger  sollte dazu mindestens seine Eltern und Geschwister einladen können. Die Weisungen dazu müssen bis 1. Juli erlassen werden und die verbindliche Umsetzung bis 20. Juli aus den Schulen mit Konzept zurückgemeldet werden.
Als Überraschung für jeden Schulanfänger sollte den Kindern und ihren Klassenlehrern ein digitales Endgerät überreicht werden, die Bezahlung  kann ja aus dem Digitalpakt Schule erfolgen.
Ich schätze den dafür notwendigen Betrag auf unter 500 Millonen Euro für ganz Deutschland.
So stelle ich mir politische, familiengerechte Arbeit vor. Packen wir es an, lassen wir gemeinsam den Worten Taten folgen.
Reinhard Schulze, Bad Muskau