Neu ist die Debatte um das Parken auf dem Markt nicht. Der (erneute) Vorschlag, den Marktplatz zum Parkplatz zu machen, kommt mir vor wie ein Schildbürgerstreich.

Bereits 2011 hieß es, dass 39 Stellplätze zu einer florierenden Innenstadt führen sollten. Nun sollen 39 Parkplätze die Einzelhändler in der Senftenberger Innenstadt unterstützen? 39 Parkplätze, die nur an vier Tagen der Woche zur Verfügung stehen.

Dann, wenn die Innenstadt am meisten floriert, nämlich an Marktta­gen, sucht der Autofahrer vergebens seinen Parkplatz auf dem Marktplatz! Schon den Ist-Zustand muss man als „Fußgängerjagd“ in der Schmiedestraße und der engen Bahnhofstraße (wo die Durchfahrt eigentlich verboten ist!) bezeichnen. Die „Fußgängerjagd“ wird sich durch noch mehr Blechlawinen bedingt durch einen Parkplatz auf dem Marktplatz verschärfen.

Bekanntlich zieht jeder Parkplatz ein Vielfaches an Suchverkehr nach sich. Aber den gerade gebeutelten Einzelhändler in der Innenstadt helfen, das wollen wir doch alle. Das überzeugt doch jeden, oder?! Nur bleibt offen, an welche Kunden man denkt, die den Einzelhändlern helfen und die Innenstadt dann zum Florieren bringen sollen?

Die älter werdende Bevölkerung und die Urlauber möchten in der Mehrzahl zwar nahe gelegene Parkplätze, aber gleichzeitig wollen sie bummeln ohne Blechlawinen und dabei ein gutes, breites Angebot vorfinden, wie in einem Einkaufscenter oder in Ruhe ohne Autoabgase draußen in einem Café sitzen.

Und Untersuchungen belegen: Wer bummelt, kauft mehr! Ein Parkplatz auf dem Marktplatz wäre so, als würde man den Au­toverkehr quer durchs Einkaufszentrum leiten. Arme hoch, wer da noch Spaß am Bummeln, Einkaufen und Kaffeetrinken hat.

Der Versuch der Schildbürger, das Licht in Säcken in die Stadt zu tragen, ist bekanntlich gescheitert. Die Stadt durch Blechlawinen zu beleben und zum Florieren zu bringen, dürfte ebenso fehlschlagen. Was hier von den Freien Wählern gefordert wird, ist kalter Kaffee in neuen Schläuchen.

Lore Seidel, Senftenberg

Die Diskussion um das Parken auf dem Senftenberger Marktplatz ist nur noch schwer zu ertragen, meine Antwort dazu ist ganz einfach: 39 Stellplätze auf dem Marktplatz – nein danke – trotzdem bin ich dafür.

Nein danke, weil ein Bummel durch die Altstadt und über den Markt ein Flanier-, Genuss- und Shoppingerlebnis sein sollte.

Trotzdem dafür, wenn ich die jetzige Praxis anschaue: Ein Flanieren im Stadtzentrum ist schon lange nicht mehr möglich. Autoverkehr, oft ohne Beachtung von Park- und Durchfahrtverboten. Schrittgeschwindigkeit: Fehlanzeige. Weder Ordnungsamt noch Polizei fühlen sich zuständig. Zum Flanieren und Shoppen gibt es wirklich schönere Innenstädte, die ich auch nutze.

Ein Bummel durch das Senftenberger Stadtzentrum ist für mich auch ohne Markt-Stellplätze schon jetzt ein Graus. Hier shoppen? Nein danke. Wenn der Einzelhandel denkt, durch zusätzliche Parkplätze auf dem Markt den Umsatz zu steigern, na bitte. So werden auch die letzten Senftenberger das Stadtzentrum meiden.

Deshalb sage ich Ja zu den Stellplätzen, der Senftenberger Markt ist so oder so kein Identifikationsort.

Holger Liesk, Senftenberg