In dem LR-Wetterbeitrag wurde dieser Tage die Frage gestellt, wo bei 14 Grad am 15. Januar denn nun der Winter bleibt. Und es wird weiter gefragt, wie normal das denn ist.

Ich denke aber, dass sich das Wort „normal“ für die Beschreibung von Wetterbeobachtungen überhaupt nicht eignet und wir uns gegenwärtig erst genau in der Mitte des diesjährigen Winters befinden.

Im Winter 1955/56 fiel hier bei uns der erste Schnee am 27. Januar und am 31. Januar sank die Temperatur rapide. Danach stellte sich bis zum 28. Februar ein ungewöhnlich kalter Winter mit sehr strengen Frösten ein, der mit Temperaturen um 25 Grad am 2. und 10. Februar also genau vier Wochen dauerte.

Der Schneefall in den ersten Februartagen 1956 erreichte eine Schneedecke von ca. 30 Zentimetern, die nach viertägigem Tauwetter am 3. März völlig verschwunden war. Auf diesen bitterkalten Winter folgte der bis dahin wärmste Sommer in Deutschland.

Auch die Winter 1962, 1963 und 1964 konnten sich ihrer Kälte wegen sehen lassen. 1962 hatte der Kälteeinbruch schon am folgenden Tag, dem 19. Dezember, ganz Europa erfasst. Im Winter 1968/69 türmte noch am 16. März eisiger Ostwind hohe Schneewehen, und die seit Neujahr auf tief gefrorenem Boden liegende Schneedecke blieb bis Ende März erhalten.

Der Badesee Eichwege hatte in diesem Jahr noch am 7. April eine geschlossene Eisdecke und noch Mitte April schneite es an drei Tagen. Im Winter 1969/70 lag hier zwischen dem 26. November und dem 16. März 1970 ununterbrochen 110 Tage lang Schnee, während in Deutschland eine seit 1895 am längsten anhaltende geschlossene Schneedecke lag, bis am 5. und 6. März eine wahre Schneeflut allen Verkehr lähmte.

Doch der Winter 1974/75 zeigte sich mit einem Wärmerekord als der mildeste seit mehr als 100 Jahren. Viele Zeitgenossen haben den schlagartig einsetzenden Winter 1978/79 noch in nicht guter Erinnerung.

1934 soll es Mitte Dezember Maikäfer gegeben haben und es sollen einzelne Rosen zur Blüte gekommen sein. So ließe sich die Liste der völlig normalen Wetterkapriolen der Neuzeit bis heute fortsetzen.

Auch Aufzeichnungen aus früheren Jahrhunderten berichten von wunderlichen Dingen. 1072/73 soll ein so weicher Winter gewesen sein, dass die Vögel im Februar Junge ausgebrütet haben und 1186 soll es zu Weihnachten so warm gewesen sein, dass die Bäume im Januar zu blühen begannen.

Anno 1479 soll es keinen Schnee gegeben haben und 1528 soll der Sommer sehr kalt gewesen sein, doch zu Neujahr haben die Mädchen Blumenkränze getragen und anno 1555 blühten einige Bäume im Herbst und am Michaelistag soll es Erdbeeren und am Lucäitag Rosen gegeben haben. Ungewöhnlich warm waren auch die Winter 1748 und 1806 auf 1807.

Mit dem Blick auf Wettererscheinungen ließe sich folgern, dass wir trotz Klimawechsels heute alles als normal ansehen sollten.

Kurt Noack, Groß-Kölzig

Hinweis der Redaktion: Der Leserbrief bezieht sich in seinem Angaben auf die Webseite kaltesonne.de, betrieben von Professor Fritz Vahrenholt und Dr. Sebastian Lüning, nachzulesen. Fritz Vahrenholt war Umweltsenator in Hamburg und Vorstandsvorsitzender von Rewe Innogy. Er geht davon aus, dass die Auswirkung des CO2 und die Erderwärmung vorhanden sind, aber bei weitem nicht so katastrophal, wie vom Weltklimarat angegeben. Sebastian Lüning ist Geowissenschaftler und war unter anderem als Afrikaexperte für RWE Dea tätig. Die Annahmen der beiden Wissenschaftler sind sehr umstritten.