Ich halte fast alle Neuerungen für eine Schikane gegen Autofahrer und -halter. Immer ist der Autofahrer der Dumme. Warum eigentlich?

Ist es nicht der Berufskraftfahrer, der alle Dinge des Lebens von A nach B transportiert - und nicht der Radfahrer? Der Radfahrer hat doch die beste Übersicht und Umsicht auf der Straße und wäre für seine eigene Sicherheit am besten geeignet. Er zahlt weder Steuern, Versicherungen, noch muss er mit seinem Rad zum regelmäßigen TÜV.

Bei diesen großen Summen erziehen sie keinen Kraftfahrer, sondern drängen ihn von den Straßen. Wo wollen die Spediteure nun den Berufskraftfahrer hernehmen, wenn sie so verschreckt werden? Recht gebe ich Ihnen bei Gaffern und Rettungsgassen.

Der Autofahrer ist immer schuld

Hustet der Radfahrer, so erhält der Autofahrer ein Bußgeld. Begründung: „Zu starker Fahrwind auf Wirbelung erschreckte den Radfahrer so sehr, dass er Atembeschwerden bekam.“ Fährt ein Radfahrer straßenmittig [...] und hupt nun der Autofahrer, fällt der Radfahrer vom Rade, wird der Autofahrer verurteilt. Begründung: „Durch das Hupen ist der Radfahrer derart erschrocken, dass er die Balance verlor und stürzte und sich dabei schwer verletzte.“

Auch halte ich die Seitenabstandregelung für zweifelhaft. Wer hält immer einen Zollstock zwischen Auto und Fahrrad? Es ist eine Ermessensfrage. Der Autofahrer sitzt links im Auto und kann nur in etwa abschätzen, was 1,50 Meter sind. Der Radfahrer ist da doch bedeutend im Vorteil. Wenn er behauptet, es war nur knapp ein Meter, wird der Autofahrer zur Kasse gebeten.

Es sei denn der Verkehrsminister hat einen guten Bekannten in Bayern, der teure Seitenmessabstandsgeräte herstellt und nun auf den schnellstmöglichen Vertrieb wartet. Dann ist den Autofahrern geholfen und dem guten Bekannten in Bayern.

Radfahren in Brandenburg Nachholbedarf beim Radwegeausbau

Brandenburg

Keiner ist fehlerfrei

Nebenbei bemerkt: Die Autofahrer sind keine Raser, Verkehrsrüpel, Straßenrowdys und Ignoranten. Es sind Menschen aus unserer Mitte mit kleinen Fehlern und einigen Unzulänglichkeiten. Dazu gehören kleine Unter- und Überschätzungen der eigenen Fähigkeiten.

Keiner ist dagegen gefeit, es sei denn, er wird immer und überall hingefahren. Da kann man die größten Töne spucken. Der Polizei ist nun in die Hände gelegt, noch stärker die Autofahrer zu melken. Ich bin selbst Autofahrer und sehe scharz für die Zukunft.

Ernst Romatzke, Haidemühl

Leipzig