Auch polnische Lausitz
Die Lausitz wird gleichgesetzt  mit dem Territorium des Bezirkes Cottbus. Das ist aber gleich in zweierlei Hinsicht falsch. Wenn man Lausitz sagt, gehören dazu  Nieder- und Oberlausitz, die ja wohl über Weißwasser, Hoyerswerda, Kamenz, Bautzen bis Zittau reicht (alles im Bezirk Cottbus?). Die östlichen Teile sowohl der Nieder- als auch der Oberlausitz liegen in Polen. Wenn man Lausitz nur mit Niederlausitz gleichsetzt, gibt es keine Übereinstimmung mit dem Bezirk Cottbus.
Im Schlossturm von Lübben hängen die Wappen aller Niederlausitzer Standesherrschaften. Danach kann man eine Westgrenze der Niederlausitz von westlich Golßen über Kemlitz, westlich Luckau bis westlich Doberlug erkennen, der weitere südwestliche Verlauf von Doberlug bis etwa Senftenberg ist für mich sehr unklar. Mir ist eine historische Karte in Erinnerung, nach der die Nordgrenze der Oberlausitz die Schwarze Elster ist, die Südwestgrenze dagegen die beschriebene Linie Doberlug Senftenberg, sodass hier Ober- und Niederlausitz nicht aneinanderstoßen, sondern erst ab etwa Senftenberg etwa dem Verlauf der heutigen Genze Brandenburg-Sachsen östlich folgend. Dieser Teil der Grenze ist in etwa die Siedlungsgrenze zwischen Nieder- und Obersorben.
Somit kann man klar sagen: Die DDR-Kreise Jessen und Herzberg gehörten nie zur Lausitz, vom DDR-Kreis Bad Liebenwerda eventuell ein kleiner Teil, während die Kreise Hoyerswerda und Weißwasser zur Oberlausitz gehörten und gehören, damit aber auch nicht zur mit dem Bezirk Cottbus gleichgesetzten Niederlausitz.
Sachsen-Anhalt erstreckte sich bis 1952 viel weiter östlich als heute. Es gab den Kreis Herzberg (bis 1950 Kreis Schweinitz) in Sachsen Anhalt, im Bezirk Cottbus in etwa die Territorien der Kreise Jessen und Herzberg und auch den Kreis Liebenwerda in Sachsen-Anhalt. Der Kreis Schweinitz erstreckte sich ursprünglich bis Langengrassau, aber schon 1950 wurde Langengrassau neben wenigen anderen Nachbar-Gemeinden dem brandenburgischen Kreis Luckau zugeschlagen. Der Kreis Liebenwerda erstreckte sich nach der mir vorliegenden Karte (leider nicht sehr genau, die gesamte DDR auf 15 mal 20 Zentimeter mit den Ländergrenzen von 1950 und den Bezirksgrenzen von 1952) im Osten bis nahe oder ganz Schwarzheide und Ortrand. Das könnte auch erklären, warum in diesem Bereich Nieder- und Oberlausitz nicht aneinander grenzen.
Die DDR-Kreise Weißwasser und Hoyerswerda gehörten bis 1952 zu Sachsen. Meine schon erwähnte DDR-Karte zeigt das sehr deutlich. Diese Länderaufteilung ging in ihren Grundzügen auf den Wiener Kongress 1815 zurück, mit dem ja die bis dahin zu großen Teilen sächsische Niederlausitz Preußen zu geschlagen wurde. Die Gründung des Kaiserreiches 1871 führte zu keinen grundlegenden territorialen Veränderungen, erst wieder die Ergebnisse des Ersten und Zweiten Weltkrieges.
Man kann spekulieren, warum Sachsen-Anhalt soviel Land abgeben musste – östlich Genthin ging ein großer Landstrich an den Bezirk Potsdam. Fakt ist, dass im ehemaligen Sachsen-Anhalt nur zwei Bezirke entstanden, während es in allen anderen Ländern drei waren. Es gab überall kleinere Grenzverschiebungen, nirgendwo verliefen die neuen Bezirksgrenzen auf voller Länge an den alten Ländergrenzen. Den Konstrukteuren der DDR-Gliederung ging es ja vor allem darum, die Selbstverwaltung der Länder  aufzuheben und deutlich kleinere, leichter regierbare Verwaltungseinheiten zu schaffen. (...) Dazu musste man entsprechende Bezirksstädte festlegen und ein Territorium darum schaffen, sicher auch mit dem Gesichtspunkt Industrieschwerpunkte, etwa Rostock als Küstenbezirk oder eben Cottbus als einer der Energieschwerpunkte, damals noch nicht mit dem Tagebau-Ring um Cottbus. Der Kohleschwerpunkt lag damals um Senftenberg.
Noch ein Wort zum Namen „Lausitzer Rundschau“ und Lausitzer Kohlerevier. Da ja auch Teile der Oberlausitz zum Verbreitungsgebiet wie zum Kohlerevier gehör(t)en, ist hier die Bezeichnung Lausitz gerechtfertigt.
Abschließend: Die Jessener haben weder die Lausitz noch Brandenburg verlassen, da sie nie Lausitzer und Brandenburger waren. (...) Damit gehören auch keine Teile der Lausitz heute zu Sachsen-Anhalt, wie auch keine Teile der Lausitz an Sachsen gingen, weil sie schon Jahrhunderte sächsich waren. Meiner Auffassung nach war die brandenburgische Landesregierung gut beraten, keine Werbekampagnen zum Anschluss an Brandenburg in Territorien zu machen, die nie zu Brandenburg gehörten.
Noch zur „zerkauten, östlichen brandenburgischen Mundart“. Sie wurde keineswegs im gesamten Bezirk Cottbus gesprochen, wie hier dargestellt.
Peter Paulsen, Lübben