Es ist ein mutiger Artikel! Denn allzu oft wird dem Thema Sterben ausgewichen und dieser Bestandteil des Lebens verdrängt. Nun zwingt uns die Corona-Krise, genauer hinzusehen und uns ganz persönlich mit der Frage des Sinns des Lebens auseinanderzusetzen.

(...)  In unserer modernen Zeit hat sich die Sterbenskultur mit dem Zerfall der Großfamilie verändert. Gestorben wird möglichst anonym – im Krankenhaus. Die Menschen machen kaum noch Erfahrungen, wie Leben endet und wann es persönlich auch an der Zeit ist loszulassen.
Schon lange reicht es nicht mehr nur zu sagen, dass man keine lebensverlängernden Maßnahmen wünscht und irgendwo irgendwelche Kreuzchen in pauschalisierte Formulare malt. Corona macht uns den Unterschied zwischen dem Ende nach einer chronischen Erkrankung und der Therapie einer akuten Erkrankung deutlich. Für beide Fälle sind Entscheidungen notwendig, denn man muss sich auch mit den jeweils möglichen Folgen der künstlichen Beatmung auseinandersetzen.
Das sind ethische, weltanschauliche, juristische und vor allem auch ganz persönliche Fragen, die einfühlsam, und möglichst im Kreis der Familie, besprochen werden sollten. Wir müssen deshalb nicht schon wieder nach neuen Vordrucken rufen, sondern das Sterben zurück in die Mitte der Gesellschaft aufnehmen und Positionen beziehen, wie und mit welchen Erwartungen man selbst einmal aus dem Leben scheiden möchte. Das erleichtert es nachher auch den Angehörigen sehr, den Verlust zu ertragen.
Deshalb holen Sie sich frühzeitig Hilfe, denn das Leben ist nun einmal individuell und sollte deshalb auch nach selbst bestimmten Regeln, sehr individuell und möglichst nicht in Einsamkeit enden.
Stefan Arnold, Cottbus