Mich begeistert, dass die Leag und Lausitzer Landwirte den Anbau von Hanf auf knapp acht Hektar wieder aufgreifen. Sie wollen testen. Als Experte für Nutzhanf und ehemaliger Vorsitzender des Naturfaserverbandes Brandenburg e.V. (2003-2006) werte ich diese Meldung als hoffnungsvolles Zeichen für die Lausitz und ihren losgetretenen Strukturwandel.
Seit nunmehr 23 Jahren verfolge ich die Verfahrenstechnologien zur Nutzung von Hanf im Industriemaßstab. Vor 17 Jahren haben wir mit fünf Landwirtsbetrieben auf 72 ha(!) Nutzhanf der Sorte Bialobrzeskie angebaut, natürlich THC-arm. Es war ein Trockenjahr – das 2003er; eine gute Ernte mit ca. sechs Tonnen pro Hektar wurde dennoch eingefahren. Die Landwirte haben die Besonderheiten des Hanfs in seiner Wachstumsperiode kennen und schätzen gelernt.

Viele Hanf-Projekte realisiert

Mehrere Projekte zum Thema nachwachsende Rohstoffe mit dem Schwerpunkt der ganzheitlichen industriellen Nutzung von Hanf sind realisiert; so zum Anbau, den Erntetechniken für jedes der Pflanzenteile, der Logistik und Lagerung bis hin zu ihrer Verarbeitung.
Vertreter der verarbeitenden Industrie und ein renommiertes deutsches Institut standen zur Seite, um erste Muster von Halbzeugen zu testen. Es sind Daten, Erfahrungsberichte, Produktionsmengen recherchiert. Nationales und internationales Knowhow flossen ein. Ziel war eine ertragssichere Faseraufbereitungsanlage in der Region zu etablieren.
Der Faseraufschluss ist der Knackpunkt; das heißt, der geerntete Hanfstängel wird klein gemahlen und in die Faserfraktionen und Schäben getrennt. Weltweit existierte damals keine verlässliche Technologie die notwendigen Leistungsvorgaben zu erfüllen.

Strategische Meilensteine müssen umgesetzt werden

Im Umkehrschluss jedoch wissen wir, wie die technische Aufgabenstellung an einen Maschinenbauer zu formulieren ist, um „die Spreu vom Weizen zu trennen“!
Doch es war die Zeit nicht reif für die erhoffte Initialzündung zur Ganzpflanzen-Verwertung von Nutzhanf. Um das Konzept der Leag groß zu machen, sind weitere strategische Meilensteine zu setzen. Die Gewinnung von proteinreichen Hanföl bringt gerade mal neun Prozent vom möglichen Gesamtertrag. Aber: Der Neuanfang ist gemacht und das lässt hoffen.
Karl-Heinz Wenzel, Spremberg