Seit Jahren beobachtet man in Cottbus rege Bautätigkeiten, die Wohnumfelder und Infrastrukturen werden immer mehr aufgewertet.

Vieles ist positiv, einiges kann man nur mit Kopf schütteln quittieren. Zu letzterem zählt ohne Zweifel der entstandene Wohnkomplex zwischen Mühlenstraße und Spreeufer.

Im ältesten Bereich der Altstadt stehen nun fünf- bis sechsgeschossige Wohnhäuser. Das hat sich nicht einmal der Cottbuser Stadtrat in der DDR getraut. Die Wohnhäuser mit moderner glatter Fassade überragen die vorhandene Stadtmauer um das doppelte! Direkt gegenüber die historischen Gerberhäuser, das Gesamtbild der Umgebung ist nachhaltig gestört.

Nicht, dass der vorhergehende ruinöse Bau aus den 1930er-Jahren eine Augenweide gewesen wäre, aber hier ist man deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Die ehemalige Stadtmission am Wichernhaus, im Bauhausstil gehalten, ist übrigens unmittelbar kurz vor dem Jubiläum von 100 Jahren Bauhaus abgerissen worden.

Inwieweit hier der Denkmalschutz hin- oder besser weggeguckt hat, muss man im Raum stehen lassen. Dass man einer Altstadt gerecht bauen kann, ist in vielen anderen Städten schon längst bewiesen worden. Auch die vor drei Jahren vom Bauherrn im LR-Interview angegebene Erklärung, dass das Untergeschoss mit Mauerwerk erhalten werde, und so eine optische Fortsetzung der Stadtmauer erreicht werde, ist nicht erkennbar!

Früher waren Bauherren als selbstbewusste Bürger bestrebt ihrer Stadt architektonisch etwas Anspruchsvolles zu hinterlassen. Diesen Anspruch hat dieser Bauherr nicht!

Alexander Kahl, Cottbus