Nachhaltigkeit ist ein Schlagwort unserer Zeit. Doch das, was mit dem Begriff gemeint ist, das haben schon die Urmenschen beherzigt. Denn sie konnten nur das nutzen und verbrauchen, was sich in ihrer Nähe befand. Soviel zur Geschichte.

Nachhaltigkeit heißt für mich, auch heute das zu nutzen, was in meiner Stadt und Region, in meinem Bundesland und meinem Land geschaffen wurde oder erhalten wird. Nachhaltigkeit ist ein Stück Heimat. Es bedeutet, im Handwerk mit natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen wie Holz zu arbeiten und die Fähigkeiten des Bauens an die nächste Generation weiterzugeben. An Menschen, die sich mit Leib und Seele diesem Beruf verschrieben haben, ja die ein Stück weit Idealisten sind.

Es ist super, wenn wir Fisch aus der Spree und Wild aus den Wäldern vor unserer Haustür auf die Teller bekommen. Aber auch hier gilt es, Maß und Mitte zu finden. In der Landwirtschaft müssen die Bauern, die vor Ort unsere Milch produzieren und ihre Felder bestellen, einen Lohn bekommen, von dem sie leben können. Auch das ist Nachhaltigkeit. Gleiches gilt für die Spargelernte, die Gurkenlese ...

Es müsste uns gelingen, einen Teil dieser Tätigkeiten durch Menschen vor Ort ausführen zu lassen. Dazu gehört angemessener Lohn und gute Ausbildung, ab und zu feste betriebliche Übernahmen. So behält das Handwerk seinen „goldenen Boden“. Wenn "Saisonarbeit" aus unserem Wortschatz verschwinden soll, müssen die Menschen vor Ort neu begeistert werden.

Nicht zuletzt hat auch die weitere Förderung der sorbisch-wendischen Sprache für mich etwas mit Wurzeln zu tun, mit Zuhause sein, eben mit Nachhaltigkeit.

Detlef Grätz, Lübbenau