Immer fleißig Steuern gezahlt
Als Freiberufler fühlt man sich in diesem Land inzwischen als Mensch dritter Klasse. Als Anfang März der Corona-Lockdown kam, erinnere ich mich noch an die vollmundigen Versprechungen unserer Politiker. „Niemand wird im Stich gelassen.“ Man muss nur einen Antrag ausfüllen und erhält schnelle Hilfe. Einzige Frage hier war, „Wie hoch ist Ihr Verdienstausfall?“ Zu diesem Zeitpunkt war ich noch echt beeindruckt.
Kurze Zeit später kam die Bestätigung, dass der Antrag eingegangen sei und bearbeitet würde. Das war das Letzte, was ich von der Behörde gehört habe. Inzwischen wissen wir auch, dass man das Geld, falls man wirklich etwas bekommt, ja sowieso nicht für die Ausgaben des täglichen Lebens nutzen darf.
Ich bin seit 20 Jahren soloselbstständig unterwegs und durfte jedes Jahr fleißig Steuern dafür zahlen. Deshalb habe ich mich darüber, dass man das Geld nicht als Lohnersatz nutzen darf, besonders gefreut. Erstaunt hat mich dann allerdings eine Aussage der Bundesministerin für Bildung, die verlauten ließ, man solle Studenten, die in der Corona-Zeit ihren Job verloren haben, wenigstens 500 Euro monatlich zahlen. Wovon sollen die sonst ihren Lebensunterhalt bestreiten? (CDU-Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat ab 16. Juni nicht rück­zuzahlende Zuschüsse bis 500 Euro für besonders bedürftige Studenten für Juni-August bereitgestellt, d. Red.)
Verstehen Sie mich bitte nicht falsch. Ich würde jedem Studenten dieses Geld gönnen. Nach drei Monaten komplett ohne Einnahmen würde für mich ein erneuter Lockdown wohl das Ende der freiberuflichen Tätigkeit darstellen. Frank Altenhof, Briesen