Corona macht es möglich
Völlig unerwartet hat Deutschland das selbstgesteckte Ziel von 40 Prozent weniger Kohlendioxid-Ausstoß gegenüber 1990 noch erreicht, leider nur zum Teil ein Erfolg von Klimaschutzbemühungen, bei denen unser Land im internationalen Vergleich zunehmend hinterherhinkt, sondern ein Nebeneffekt der Corona-Krise.
Wir alle hoffen, dass wir Corona bald überwunden haben. Aber, was ist mit der Klimakrise? Die ist dann immer noch da! Und wie sieht es damit aus, notwendige Veränderungen zu akzeptieren, damit aus dem noch harmlos klingenden „Klimawandel“ keine „Klimakatastrophe“ wird?
Man könnte es sich einfach machen, wie es Herr Naber in seinem Leserbrief tut. (...) Die Erderwärmung erfolgt so rasant und in Relation zum Kohlendioxid­anteil der Atmosphäre, dass es keine Ausrede mehr geben kann. Die Nutzung fossiler Rohstoffe trägt Schuld an der Erwärmung. Dass ein ungebremster weiterer Anstieg der Temperatur das Ende der Menschheit bedeuten kann, ist dann keine Frage mehr.
Neben Klimaschutz auch den Folgen des -wandels durch Anpassungsmaßnahmen entgegenzuwirken, ist ohne Zweifel richtig. Aber warum schreibt Herr Naber nur von Deichen in Tokio, Paris oder Montreal, also Städten in reichen Ländern? Was passiert auf den Malediven und Vanuatu oder an der Küste des Senegals? Das Verschwinden ganzer Pflanzengesellschaften, von Rebhühnern und anderen Bodenbrütern setzte bereits ein, als Begriffe wie „Energiepflanzen“, „Dekarbonisierung“ oder „Energiewende“ noch gar nicht erfunden waren.
Dass das Recycling von Kunststoffen so problematisch ist, kann doch kein Argument dafür sein, lieber neue zu produzieren. Es zeigt, dass wir uns hier auf einem falschen Weg befinden. Erst recht sollten wir gewarnt sein, wenn Stoffe, die in der Natur nicht vorkommen, in unserer Nahrung und anschließend in unserem Körper auftauchen. Kann man es sich so einfach machen und schreiben, Kunststoffe sind ökologisch und ökonomisch unverzichtbar, aber die Menschen gehen eben nur zu sorglos damit um?
Zweifellos sind sie, wie andere Erfindungen der Menschheit, Grundlage unserer Zivilisation. Zur Wahrheit gehört aber auch die Tatsache, dass diese Zivilisation ihre Existenz aufs Spiel setzt, wenn sie so weitermacht wie bisher. Ziel muss es sein, von der Natur zu lernen, kohlenstoffhaltige Stoffe und Energie nutzbar zu machen, ohne dass dabei Müll produziert wird. Die Evolution hat so vieles hervorgebracht, was sich über lange Zeiträume bewährt hat. Daran müssen sich unsere „Innovationen“ orientieren.
Indem sie freitags statt in die Schule auf die Straße gehen, erinnern unsere Enkel die Erwachsenen und die von ihnen gewählten oder erduldeten Regierungen nur daran, was vor reichlich fünf Jahren in Paris von der Weltgemeinschaft beschlossen wurde. Schlimm genug, dass das notwendig ist!
Helmut Donath, Luckau