Energiepolitik ist Europas Sache

Das deutsch-amerikanische Verhältnis ist derzeit „grottenschlecht“, wie es einige deutsche Politiker formulieren. Dass es so gekommen ist, dafür tragen die USA ganz allein Verantwortung. Besonders, seit Trump Präsident der USA ist, wird deutlich, dass Deutschland immer noch wie ein Besatzungsstaat zu gehorchen hat.

Das beginnt bei der Forderung der USA, dass Deutschland seinen Export zurückfahren soll, was den Verlust von Millionen von Arbeitsplätzen zur Folge hätte. Es geht weiter mit der Forderung der Erhöhung der Militärausgaben auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und, die USA verhindern mit massiven Sanktionen gegen Firmen, Personen und sogar Behörden den Fertigbau von Nordstream 2 in der Ostsee. Diese Sanktionen sind exterritorial und damit völkerrechtswidrig! Solche Einmischungen in die inneren Angelegenheiten Deutschlands und der EU sind ohne Beispiel.
USA mit hörigen Partnern in Osteuropa
So etwas gab es unter „Freunden“ noch nie. Besonders schlimm ist, dass Polen, die Ukraine und die baltischen Staaten den USA zur Seite stehen. Sie hatten sich sogar im vergangenen Dezember beim damaligen Botschafter Richard Grenell (hat seinen Posten inzwischen aufgegeben, die Stellvertreterin führt erst einmal die Geschäfte d. Red.) bedankt, dass die Sanktionen zum Abbruch der Arbeiten führten. Nun versuchen die Russen allein unter großen Schwierigkeiten, die restlichen knapp 160 Kilometer fertigzustellen. Bisher wurden etwa zehn Milliarden Euro in diese Pipeline investiert, plus etwa fünf Milliarden in die Anschlussleitung „Eugal“, welche bereits in Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Sachsen fertiggestellt ist. Das alles wollen die USA mit ihren „hörigen“ Helfern zur größten Invest­ruine machen.
Es ist an der Zeit, dass die Bundesregierung mit Unterwürfigkeit und diplomatischer „Weichei-Politik“ gegenüber den USA aufhört. Wir sind ein souveränes Land; brauchen uns nicht demütigen zu lassen! Bisher hat die leise diplomatische Schiene hinter den Kulissen nichts bewirkt. Man lacht sich in Washington nur ins Fäustchen. Jetzt hilft nur noch eins: Den US-Botschafter in Berlin einbestellen, den USA klar und deutlich beibringen, dass wir unsere zukünftige Energiepolitik selbst bestimmen und uns das nicht von Washington diktieren lassen. Und, das Ganze schön medienwirksam verbreiten. Wenn es hart kommt, den USA mit dem Austritt aus der Nato drohen, aber in der EU verbleiben. Schweden und Finnland sind auch keine Nato-Mitglieder, aber in der Europäischen Union. Und beide Länder kommen mit ihrer militärischen Neutralität bestens klar. Warum soll das mit Deutschland nicht auch funktionieren ?

Lothar Reich, Heideblick

Eigene Interessen durchsetzen

Ich stimme im Grundsatz dem Leserbrief von Dieter Lehmann  „Trump kann die Atomwaffen gleich mitnehmen“ (LR vom 17. Juni) zu. Das Gejammere der deutschen Politiker an der US-Airbase wegen des Verlustes von Arbeitsplätzen, vor allem aber wegen der nun fehlenden großzügigen Ausgaben der US- Belegschaft ist unerträglich für uns hier in der Lausitz. (...)

Schon durch Corona-Ausgaben verbietet es sich  bei aller Vernunft, die vom US-Präsidenten immer wieder geforderten zwei Prozent Rüstungsausgaben umzusetzen. Ja, nehmt eure Atomraketen gleich mit, denn das ist ein zu großes Risiko bei Pannen für alle Deutschen.
Herr Trump denkt nur an sich, um die Wahlen zu gewinnen. Noch nie hat der Normalbevölkerung ein Rüstungswettlauf etwas gebracht. Im Gegenteil. Verständigung der Völker untereinander ist am besten über Handel, Kultur, Sport, gegenseitigen Tourismus möglich. Dass Trump selbst das Ölgeschäft machen will, liegt doch auf der Hand.
Deutschland, Europa müssen endlich selbstbewusst auftreten.  Wir müssen endlich unsere eigenen wirtschaftspoltischen Interessen durchsetzen, wenn es sein muss auch gegen die USA und ihren unvernünftigen, machtbesessenen Präsidenten.

Klaus Hanschke, Cottbus