Herr Müller beklagt die Spaltung unserer Gesellschaft und kritisiert die Bundesregierung. Er fordert, dass auf die Stimme des Volkes (was auch immer das ist) gehört wird und möchte die AfD in der Regierung sehen.

Bei Letzterem muss ich entschieden widersprechen. Eine Partei, die durch eine demokratische Wahl ins Parlament gekommen ist, ist deshalb noch lange keine demokratische Partei.

Die AfD hat sich von einer wirtschaftsliberalen zu einer rechtspopulistischen Partei entwickelt und wird nun zunehmend von Vertretern eines Flügels dominiert, die sich der Sprache der Nationalsozialisten angenähert haben.

Pure Missachtung der Demokratie

Ich möchte nicht von Politikern regiert werden, die Erkenntnisse der Wissenschaften leugnen, mit ihrer Wirtschaftspolitik unseren Wohlstand aufs Spiel setzen, keine Antworten auf die Herausforderungen der Zukunft haben und Gesellschaftskonzepte propagieren, die wir zum Glück weitgehend überwunden haben. Welches Ressort soll denn von Ministerinnen oder Ministern der AfD besetzt werden? Ich hätte bei allen Angst.

Wie ernst die AfD die Demokratie nimmt, hat doch Thüringen gezeigt. Einen eigenen Kandidaten in den dritten Wahlgang zu schicken und ihn dann komplett nicht zu wählen, ist pure Missachtung der Demokratie.

Mit unverhohlener Stimmungsmache gegen alle, die anders aussehen und anders denken, haben Politiker der AfD die öffentliche Diskussion vergiftet und tragen somit auch Schuld an den Verbrechen von Hanau, Halle und anderswo.

Und sie schaffen es immer wieder nicht, sich von offen rechtsextremen Kräften abzugrenzen. Warum wohl?!

Das „Elend“, von dem Herr Müller schreibt, kann ich in Deutschland nicht erkennen. Unsere Sorgen hätten andere eher gern. Bei aller berechtigter Kritik an der Bundesregierung (oder auch an Landesregierungen), es gibt keinen Grund, eine Partei zu wählen, die unsere Gesellschaft abschaffen will. Wer sich der Sprache der Nazis bedient, hat auch vor so zu handeln.

Helmut Donath, Luckau