Bürger wollen rasche Umsetzung

Mit großem Interesse verfolge ich die Diskussionen in den Medien über das geplante Freizeitzentrum (Gubener Str. 10) für die Kinder und Jugendlichen in unserer Stadt. Viele Bürger, auch viele junge Menschen aus Forst, haben dabei mit ihren Ideen und Vorschlägen den langjährigen Prozess der Vorbereitung des Projektes begleitet. Sie und viele andere Bürger erwarten jetzt mit Recht die schnelle Umsetzung ihrer Bemühungen.

(...) Drei Fraktionen hebelten den Grundsatzbeschluss von 2018 aus und fordern dessen Änderung. Das Jugendfreizeitzentrum soll nun außerhalb des Stadtzentrums am Wasserturm entstehen. Ein Neubau – einfach so! Es wurde schon zügig vorgearbeitet. Wie es aussieht, im Alleingang. Für mich als Bürger dieser Stadt erheben sich nun viele Fragen:

1. Sieht so eine faire, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung aus?
2. Wer trägt die entstandenen Kosten und wie soll die Finanzierung des neuen Projektes (Am Wasserturm) vonstatten gehen?
3. Darf auf dem vorgesehenen Baugrund überhaupt gebaut werden? (Besitzverhältnisse, Bahnnähe, Baugrund, Schadstoffbelastung)
4. Wie sicher ist der Weg für Schulkinder zum Objekt?
5. Wie schützt man Gebäude und Umgebung vor Vandalismus?
6. Was wird mit dem Gebäude in der Gubener Straße?
In der Stadt gibt es schon andere einstmals wichtige Gebäude, die ein trauriges Dasein führen (Goethe-Schule verfällt, ehemaliges Kreiskulturhaus wird nur noch halb genutzt). Es gibt genug freie Flächen und keinen richtigen Stadtkern mehr. Und jetzt wird vonseiten dreier Fraktionen erwogen, ein Gebäude in bester Lage mit großzügigem Umland einfach abzuschreiben, geopfert einer Idee, die durch nichts abgesichert ist.
Ein Jugendfreizeitzentrum in der Gubener Straße hat sehr gute reale Bedingungen. In der Nähe liegen zwei große Grundschulen und eine Oberschule in der Bahnhofstraße. Der Weg zum Freizeitzentrum für Schüler und Jugendliche kann sicherer und kürzer kaum sein. Das Gebäude und die Außenanlagen bieten Möglichkeiten für eine vielfältige kulturelle, künstlerische, handwerkliche und sportliche Betätigung. (...)
Leistungssport sollte indes Sportstätten vorbehalten bleiben. Seit Jahren redet man über den Verfall des Stadions. Breitensport ist hier kaum noch kontinuierlich zu betreiben. Hier sehe ich eine echte Aufgabe, langfristig ein komplexes Sportzentrum zu schaffen und zu erweitern, etwa durch eine Skaterbahn, eine Eis- und Rodelbahn und Zweckbauten (Umkleideräume, Training, Imbiss). Ein Zentrum für viele sportliche Ansprüche, auch für professionelle Aktivitäten. (...)

Freizeitaktivitäten wie Musik, Malen, Basteln, Lesungen, Tanz passen nicht in ein Sportzentrum und sind in der Gubener Straße 10 besser angesiedelt.

Meine große Hoffnung ist, dass es allen Verantwortlichen unserer Stadt gelingt, für Forst eine vernünftige, angemessene und tragfähige Lösung zugunsten unserer Kinder und Jugendlichen in naher Zukunft zu erreichen.

Manfred Gebhardt, Forst
Parteibeschlüsse gelten für alle

Herr Noatsch hat in vielen Punkten seines Leserbriefes recht (LR vom 8. Juni). Allerdings irrt er (und dafür kann er nichts, weil ihm einfach das Hintergrundwissen fehlt), wenn er behauptet: „... muss man eben auch ertragen, dass der andere mal bessere Vorschläge hat“.

Es geht um ein Projekt der Offenen Kinder- und Jugendarbeit in Forst. Hierzu hatte die Stadt in einem langjährigen Prozess der Willensbildung (...) mit mehrfachen und mehrheitlichen Beschlüssen der Stadtverordneten ein Projekt auf den Weg gebracht, das im April zur Umsetzung gebracht werden sollte. Unter sehr fadenscheinigen Begründungen wurde dieses Projekt am 24. April durch die Einbringung eines Antrages durch Gemeinsam für Forst (GfF) und unter Zustimmung von AfD und Die Linke gekippt. So weit, so demokratisch, so gut, oder besser gesagt: so ungut.
Nachdem die Bürgermeisterin unter Verweis auf die Kommunalverfassung den Beschluss beanstandet hatte, wurde, offensichtlich um das Gesicht zu wahren, schnell ein Pressetermin vereinbart, um in den Räumen der Linken mit AfD und GfF einen „Alternativ“-Vorschlag vorzustellen. (...)
Und an dieser Stelle kommen die Beschlüsse der Partei Die Linke ins Spiel. Diese besagen eindeutig: Keine Zusammenarbeit mit der AfD! Punkt! Herr Paesch­ke (Fraktionschef, d. Red.) und seine Genossen unterliegen, wie jedes andere Mitglied auch, diesen Beschlüssen. Sich darüber hinwegzusetzen, noch dazu, ohne sich überhaupt in irgendeiner Weise mit höheren Parteigremien abgestimmt zu haben, zieht selbstverständlich Reaktionen nach sich. Kein Mensch hätte sich erregt oder erregen können, hätte sich Die Linke in Forst aus dem Pressetermin herausgehalten. (...) Sie hätte dann immer noch die Möglichkeit gehabt, nach Prüfung dieses „Alternativ“-Projektes, diesem zuzustimmen oder es auch abzulehnen.

Somit haben die Reaktionen, bis hin zum geforderten Parteiausschluss auch nichts damit zu tun, man würde die Wahlergebnisse nicht respektieren oder die Zusammenarbeit aus ideologischen Gründen blockieren.

Es gibt viele und gute Gründe, die Zusammenarbeit mit der AfD zu verweigern, die liegen allein aus sachlichen Gründen völlig auf der Hand, ganz egal, wie hoch die Zustimmungswerte bei den Wählern waren. Vielmehr sollte sich der Wähler fragen, warum man solch einer Partei seine Stimme gibt.
Wenn Herr Paeschke erklärt, keine Fehler gemacht zu haben und lediglich eine Debatte zum Umgang mit der AfD anschubsen zu wollen, stellt sich die Frage: Warum genau zu diesem Zeitpunkt (die Kommunalwahl ist ein Jahr her), warum gerade bei diesem Projekt und warum gerade mit der AfD.

Frank Heiber, Forst