(...) Versuchen wir eine sachliche Debatte. Ideologie-frei, wie es Frau Jost in ihrem Leserbrief angemahnt hat.

Das Gender-Sternchen wird leider zunehmend beim Verfassen von Texten verwendet. Wie dabei das Sprachempfinden des Lesers leidet, zeigt der folgende gegenderte Werbetext: „Die Bürger*innen, aber auch die Besucher*innen unserer Stadt können (...) das ‚Crescendo-Magazin’ aus einem Aufsteller kostenlos entnehmen. Ausübende Künstler*innen aller Genres, wie Instrumentalist*innen, Musiker*innen, Sänger*innen, Tänzer*innen, Dirigent*innen, aber auch Komponist*innen, Regisseur*innen und Intendant*innen kommen in diesem Magazin zu Wort.“

Ist dieser Sprachgebrauch nicht eine Zumutung?! Dieser Text wirkt gespreizt und unübersichtlich. Nun soll derselbe Werbetext ungegendert gegenübergestellt werden: Ausübende Künstler aller Genres, wie Instrumentalisten, Musiker, Sänger, Tänzer, Dirigenten, aber auch Komponisten, Regisseure und Intendanten kommen in diesem Magazin zu Wort.

Wie angenehm und leserfreundlich ist doch dieser Werbetext ohne die gendersprachlichen Verrenkungen.

In der Jahres-Vorschau des Gewandhauses Leipzig 2019/2020 heißt es: „Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Text verallgemeinernd das generische Maskulinum verwendet. Diese Formulierungen beziehen sich gleichermaßen auf Personen aller Geschlechter.“

In den Veröffentlichungen zur Spielzeit der Semperoper Dresden wird hingegen grundsätzlich gegendert.

Wie verhält es sich aber mit dem gendergerechten Vorlesen von Texten? Das Gender-Sternchen kann nicht als Laut gesprochen werden. Der gesprochene Satz hat aber bekanntlich eine Melodielinie. Beim Sternchen kommen wir ins Stolpern.

Abrupte Unterbrechung des Sprachflusses, Pausen, Klicklaute wie aus der Sprache der Namas (einer Nationalsprache in Namibia) können wohl auch keine Lösung sein.

Als sehr angenehm finde ich den nicht-gegenderten Begrüßungstext von Herrn Dr. Serge René Mund in der Broschüre des Staatstheaters Cottbus für die Spielzeit 2019/2020.

Sprachpflege ist Bürgerpflicht. Im Anfang war das Wort.

Gotthard Lukas, Finsterwalde