Einmal härter bringt mehr
Oberhalb von 25 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner beginnt mit dem Verlust der Kontrolle der Ausbreitung der exponentielle Anstieg. Dieser Neustart stellt sich zunächst als eher flacher Anstieg dar, da der größte Teil der Infektionen nachverfolgbar ist. Er ist aber schon da nur durch drastische Maßnahmen zu stoppen. Da bisher bei lokalen Ausbrüchen 25 oder mehr zusätzlich Infizierte keine Seltenheit sind, ist ein 0-Inzidenz-Ziel  plausibel, um diesen Wert nicht oder nur geringfügig zu überschreiten.
Dass diese Strategie nicht utopisch ist, zeigen die Ergebnisse einer Reihe von Ländern. Pro 100 000 Einwohner waren die höchsten bisherigen Tagesinzidenzen etwa für Australien: 2,21/ Deutschland: 31,03, Tote pro Tag Australien: 0,09/Deutschland:  1,01, Gesamtzahlen der Toten Australien: 3,64/Deutschland: 48,22.
Es wird von einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes für 2020 in Australien um -3,8 %, in Deutschland um -5,5 Prozent laut OECD ausgegangen. Der Vergleich mit China fällt deutlich drastischer aus, ist aber wegen der unterschiedlichen Rechtslage für uns weniger aussagefähig.
Dem föderalen Staat Australien ist es gelungen, über den gesamten Zeitraum der Pandemie auch ohne diktatorische Zentralgewalt deutlich bessere wirtschaftliche und gesundheitspolitische Ergebnisse im Vergleich mit Deutschland zu erzielen. Bei den Virusmutationen wird diese Strategie noch wichtiger.
Mit der Zielstellung null neue Infizierte wurde auch vor einem harten Lockdown über 112 Tage für die Fünf-Millionen-Stadt Melbourne nicht zurückgeschreckt. Der Erfolg bestätigt die Richtigkeit. Flankiert werden die Maßnahmen durch eine maximal mögliche Reduzierung des Personengrenzverkehrs. Das zeigt, dass ein sehr harter Lockdown eine drastische Reduktion der Infizierten bringt. Unterschiede in der Besiedelungsdichte sind nicht ausschlaggebend. Sehr viele Hotspots lagen bei uns im ländlich geprägten Raum.
Harte Maßnahmen mit der soliden Chance auf eine längere Erholung sind besser als eine ständige Folge von Infektionswellen. Die Menschen und die Wirtschaft brauchen Planbarkeit. Die Arbeit eines Betriebes kann nicht ständig schwankend verlustfrei gesteuert werden. Ständig neue notwendige Hilfsprogramme belasten den Staat und damit uns alle. Bei bestimmten Krankheitsbildern ist der chirurgische Eingriff trotz der stärkeren Belastung für den Körper die beste Wahl. (...)
Australien ist eine Insel. Die EU unter Einbeziehung der Schweiz stellt eine Halbinsel mit einer östlichen Landgrenze mit eher überschaubarem Grenzverkehr dar. Wegen der ebenfalls extremen Probleme unserer Nachbarn sollten die Chancen für ein gemeinsames Vorgehen eher gut sein. Statt einer kalendarischen Festlegung der Maßnahmedauer sollte das Ende einer Maßnahme an den Erfolg (Z.B. Zielinzidenz an sieben aufeinanderfolgenden Tagen) gebunden werden. Nur dieser erzählt.
Die Bevölkerung kann die Fortschritte live verfolgen und ist ja durch die eigenen Einschränkungen motiviert, die Maßnahmen zu unterstützen. Administrative Vorgaben können den Kampf gegen das Virus steuern, gewonnen werden muss er aber durch die Bevölkerung.
Dr. Peter Urwank, Elsterwerda
Geduld wird langsam zur Wut
Ich kann es kaum glauben, was da geschrieben steht: „Heftiger Corona-Ausbruch in Burger Heim für Senioren“ (LR vom 21. Januar). Viel schlimmer ist dabei, dass mit amtlicher Genehmigung ein positiv getesteter Mitarbeiter dort weiterarbeitet! Wer so etwas genehmigt, ist in meinen Augen ein Verfechter der Verschwörungstheorien. Wegen solcher Ignoranz darf sich unsereiner nur im 15 Kilometer-Radius bewegen.
Meine Geduld schlägt in Wut um. Wer wird denn hier zur Verantwortung gezogen? Bei der Schließung der Arztpraxis in Cottbus (Ärztin sollte eigentlich in Quarantäne, d. Red.) war man schnell zur Stelle. Wird mit unterschiedlichem Maß gemessen?
Vielen Dank, dass wir endlich einmal die wahren Hintergründe für die schlechten Inzidenzwerte unserer Region erfahren.
Gisela Forkel, Teichland