Gestern hörte ich auf dem Markt einen Mann sagen, Corona gäbe es schon seit 1000 Jahren und die sollten sich nicht so haben. Ich fragte ihn, was das nun hieße. Er zuckte mit den Achseln und meinte, was mich das angehe.

Das geht uns schon etwas an, denn wir sind alle davon betroffen, auch wenn der Reproduktionswert Gott sei Dank wieder auf 0,75 gefallen ist. Natürlich darf das nicht zu Leichtfertigkeit verleiten. Aber nachlässig ist es nicht, wenn jetzt nach Einbruch der Wirtschaft um 6,5 Prozent über verantwortungsvolle Lockerungen nachgedacht wird.

Denn Gesundheit ist das eine, gesellschaftlicher Niedergang das andere. Ich bin überzeugt, dass beides, Eindämmung der Infektionen und Aufhebung von Beschränkungen, in Übereinstimmung zu bringen sind. Dafür braucht es endlich durchdachte Schutz-Konzepte in der Wirtschaft, in der Bildung, in den Krankenhäusern, in der Kultur.

Es muss möglich sein, dass Betriebe, Schulen und Unis, Krankenhäuser u.s.w., den Gesundheitsämtern maßgeschneiderte Lösungen vorlegen und diese dann deren Einhaltung konsequent überprüfen.

Und warum sollte die vor einer Pleitewelle stehende Hotel- und Gaststättenbranche davon ausgenommen sein? Abstand und Hygiene lassen sich auch hier organisieren. Es müssen nicht alle Gäste zur gleichen Zeit ihre Mahlzeit einnehmen.

Ich bin sicher, dass die Menschen wie bisher mitmachen, wenn sie von der Sinnhaftigkeit der noch notwendigen Einschränkungen überzeugt sind. Dazu gehört auch, dass Selbstständigen wirklich schnell und unbürokratisch geholfen wird und in den Konzernen trotz Corona nicht uneingeschränkt Boni ausgeschüttet werden. Das ist unsolidarisch.

Ich glaube, dass wir mit Vernunft wieder auf die Beine kommen.

Jürgen Türk, Kolkwitz