Eine altes Sprichwort weiß: Keine Straße ist lang mit einem Freund an der Seite. Die Pendlergemeinschaft glaubte Anfang der Neunziger Jahre mit der Fern- und Regionalbahn und den Potikern vor Ort diese Freunde gefunden zu haben.

Nach zwei Jahrzehnten müssen wir ernüchternd feststellen, dass diese Freundschaft schon vor langer Zeit endete. Plausible Gründe dafür, haben wir weder von der Bahn noch von den Politikern erfahren.

Viel gesagt, nichts getan

Wir wissen nicht, warum es in über 20 Jahren ergebnislose und sinnleere Erklärungen gab, die stets darauf abzielten, zu beraten und zu prüfen, ob das VBB-Ticket später in den Zügen des Fernverkehrs anerkannt werden könnte.

Vielleicht sind die Pendler selbst der Grund, weil sie die Arbeit in der Ferne nicht aufgegeben, sich keinen neuen Lebensmittelpunkt fern der Heimat gesucht haben? Vielleicht hofften die vermeintlichen Freunde auch, dass der Zahn der Zeit die Pendler aus dem Arbeitsleben schießt. Bei den geringen Geburtenzahlen musste man nicht fürchten, dass ihre Zahl wächst.

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Berlin/Elsterwerda

Jetzt wo der BER vielleicht 2020 doch noch eröffnet wird, Tesla an die Tür klopft, da könnte plötzlich die Pendlergemeinschaft wachsen.

Pünktlich zum Fahrplanwechsel setzte wieder der mediale Rummel der Bahn ein, die nicht müde wurde zu erklären, dass der Einsatz der neuen IC-Züge ein Beitrag für die Pendler sei.

Die Bahn blieb aber schuldig zu erklären, dass dies für die Pendler nur mit der Anerkennung der VBB-Tickets Sinn macht. Stattdessen der übliche Verweis, dass man an dem Verhandlungs- und Beratungsmarathon der letzten 20 Jahre anknüpfen wird.

So wird das Auto nicht verzichtbar

Einige der Pendler sorgen sich um die ehemaligen Freunde. Ihnen fehlt die Vorstellungskraft wie sie die Probleme der Zukunft, wie die Klimakrise anpacken, wie sie die Attraktivität des ÖPNV steigern wollen.

Die kühnste Hochrechnung an der dafür notwendigen Verhandlungs- und Beratungszeit lässt nichts Gutes ahnen. Zumindest dann, wenn wir beispielhaft den Zeitrahmen zur Lösung unseres kleinen Problems ansetzen. In der Summe betrachtet, können Politiker an diesem kleinen Beispiel verstehen lernen, wie sich Politkverdrossenheit entwickelt.

Allem zum Trotz, in über 20 Jahren haben sich viele Pendler den Optimismus bewahrt und ja, die Hoffnung stirbt zuletzt.

Uwe Kriesch, Elsterwerda