Eigentlich wollte ich auf die vielen Beiträge auf der Leserbriefseite der LR vom 4. Dezember gar nicht reagieren, denn die dort vertretenen Meinungen sind zu absurd, als dass man dazu etwas sagen sollte.

1894 erste Hinweise für CO2-Auswirkung

Herr Rückert aus Senftenberg fordert die Jugend auf, sich mit naturwissenschaftlichen Problemen gründlich auseinanderzusetzen. Er gibt an, dass es seit dem Ende der letzten Eiszeit eine Klimaerwärmung gibt. Das ist der Wissensstand von vor reichlich 100 Jahren und der gilt sogar noch heute.

Aber schon im Jahre 1894 hat der schwedische Nobelpreisträger für Chemie Svante Arrhenius nachgewiesen, dass es durch den CO2-Ausstoß der Industrie zu einem zusätzlichen anthropogenem Temperaturanstieg kommen wird.

Die Frage, wer sich denn nun mit der modernen Wissenschaft auseinandersetzt, geht eindeutig zu Ungunsten von Herrn Rückert aus.

Wenn ein nach eigener Aussage naturwissenschaftlich gebildeter Mensch die Gestaltung einer sicheren Energieversorgung sich nur auf der Grundlage der heutigen Struktur der Energiewirtschaft vorstellen kann, dann entspricht sein derzeitiger Wissensstand etwa der Zeit von vor 30 Jahren.

Ich wünsche Herrn Ziehe aus Vetschau, der diese Meinung vertritt, dass er im Jahr 2038 überprüfen kann, ob er mit seiner Meinung Recht hat.

Kohle-Aus wäre schneller möglich

Wenn man die genauen Aufzeichnungen der Wetterstationen über die Entwicklung des Klimas in den letzten 100 Jahren ignoriert, dann ist es einfach zu sagen, dass nichts unzuverlässiger ist als das durchschnittliche Wettergedächtnis des Menschen.

Mit diesem Wissensstand leitet Herr Noatsch aus Lübbenau seine Feststellung ab, dass es schon immer Klimaschwankungen gegeben habe und man damit eben leben müsse. Seiner Meinung nach sind die Berechnungen zum anthropogenem Klimawandel nur manipuliert.

Noch einfacher macht es sich Herr Mager aus Drebkau. Er spricht einer 20-jährigen Studentin einfach die Kompetenz ab, über die Vermeidung des Klimawandels zu reden, denn er weiß es ganz genau: „Dennoch kann man in der Lausitz nicht einfach die Kohleverstromung abschaffen. Unmöglich!!“

Hier irrt Herr Mager – denn in etwa fünf Jahren könnte man das, aber die Regierung möchte doch, dass auch die beiden Eigentümer der LEAG sich privat einiges beiseite schaffen können, denn Gewerbesteuern zahlt der Konzern schon lange nicht mehr. Die Region ist nur noch auf kleine Spenden dieses Konzerns angewiesen.

Nur gut, dass unsere Schüler von ihren Lehrern immer wieder angehalten werden, alle Informationen aus Printmedien und aus dem Internet zu hinterfragen, und ob es sich um wahre Daten handelt, oder um gezielte wissenschaftlich verbrämte Falschaussagen.

Mit diesem Wissen versehen, wird es den Jugendlichen nicht passieren, die in den Leserbriefen enthaltenen angeblichen Wahrheiten in ihren Argumentationen anzuwenden. Und nur gut, dass die meisten Lehrer genau wie zu meiner Schulzeit (vor 1965) die Schüler auch über den anthropogenen Klimawandel informieren.

Dr.-Ing. Günter Seifert, Welzow