Im Rollstuhl ins Kino?
Einerseits werden die Bürger darüber informiert, dass bis zum Monatsende keine Impftermine mehr vergeben werden, da der Impfstoff nicht ausreicht, was für mich bedeutet, dass ich in den nächsten Wochen noch keinen Impftermin für meine fast 90-jährige Mutter, geschweige denn für meinen Mann oder mich selbst bekommen werde.
Andererseits werden die Leser im Leitartikel über die Vorstellungen des deutschen Außenministers Heiko Maas unterrichtet, allen geimpften Bürgern das Vorrecht zum Besuch von Gaststätten und Kultureinrichtungen einzuräumen. Jeder normal denkende Bürger muss sich doch fragen, wie weit Herr Maas eigentlich von der Realität entfernt ist.
Sollen vielleicht die ältesten Bürger aus den Pflegeheimen im Rollstuhl oder im Pflegebett die Restaurants, Kinos, Theater und Museen besuchen? Der Impfstoff reicht momentan nicht einmal für die Ältesten und das medizinische Personal, geschweige denn für den Rest der Bevölkerung.
Unter diesen Voraussetzungen fühlt sich doch jeder vernunftbegabte Bürger veralbert und es drängt sich der Gedanke auf, dass Herr Maas mit seinen Vorschlägen ganz gezielt Wahlkampf betreibt. Ich finde es sehr wichtig, dass die Gastronomie und die Kultureinrichtungen bald wieder ihren normalen Betrieb aufnehmen können, aber ich glaube, auf solche unrealistischen Vorschläge kann die Branche verzichten. Vielleicht soll künftig der Impfpass um den Hals getragen werden, um sich zu legitimieren?
Es wäre schön, wenn sich Politiker parteiübergreifend und ohne Polemik der Eindämmung der Pandemie widmen würden, weniger reden – mehr tun!
Marion Bulligk, Drebkau
Was hat Herr Maas vor?
Er möchte die Menschen in Geimpfte und Nicht-Geimpfte einteilen, so sein Vorschlag. Den Geimpften sollten Vorzüge zugestanden werden, sicherlich, um die allgemeine Impfbereitschaft der Bevölkerung zu erhöhen. Dies fördert eine weitere Vertiefung der Spaltung unserer Gesellschaft: Arme, Reiche, Beamte, Angestellte, Weiße, Schwarze, Kampf gegen Rechte, Stillschweigen über linke Abenteurer und nun der neue Keil: Geimpfte und Nicht-Geimpfte.
„Geimpfte sollten wieder ihr Grundrecht ausüben dürfen“, so Herr Maas. Je mehr Menschen geimpft worden sind, desto eher können Kinos, Theater, Hotels, Gaststätten wieder geöffnet werden. Aber das gilt nur für die Geimpften, denn sie würden sich nicht gegenseitig gefährden. Unsicher ist, ob Geimpfte sich gegenseitig anstecken können. Wie sieht es mit den Nebenwirkungen bei den Geimpften aus? (...)
Will Herr Maas, dass Schilder oder Zettel an Türen angebracht werden, wie: „Nur Geimpfte haben Zutritt“? Die Nicht-Geimpften wollen sicher niemandem auch nur die geringste Nebenwirkung wünschen. Aber warum will Herr Maas einen Graben schaffen? Geht es ihm um eine Einteilung in die moralisch Guten und die moralisch Nicht-Guten. Das möchten wir wohl alle nicht.
Gotthard Lukas, Finsterwalde