Das „Blaue Wunder“ muss weg – so wollen es die drei Vertreter der Eigentümergemeinschaft. Als Begründung werden apokalyptische Szenarien von herumfliegenden Teilen und anderem mehr heraufbeschworen. Eigentlich müsste aus Sicherheitsgründen ein Sperrradius von mindestens 500 Metern um den Bagger eingerichtet werden und das Nena-Konzert hätte abgesagt werden müssen. Schon bei der Standortwahl hat man das Großgerät verschämt in eine Ecke geschoben, wo es am wenigsten auffällt. In Sichtachse der Senftenberger Calauer Straße; das ging doch gar nicht, obwohl es der geeignetste Platz wäre. Einfach stehen lassen und dem Verfall preisgeben, es ist doch ein Zaun drum herum und es gibt Warnschilder. Das geht aber auch nicht, da es Personen gibt, die sich womöglich nicht daran halten und zu Schaden kommen können. ( . . . )

Ich habe den Eindruck, dass unsere einstige Industrie, die uns Jahrzehnte ernährt und groß gemacht hat, so schnell wie möglich vergessen werden soll. Gibt es etwas im Stadtgebiet des einstigen Verwaltungszentrums der Braunkohle, was daran erinnern soll? Wer sich auf die Suche macht, der findet vor dem Senftenberger Rathaus etwas bunt Angemaltes. Als ich einmal jemand gefragt habe, was das wohl sei, so war die Antwort: „Das ist bestimmt was zum Drauf-setzen.“ Und am Stadthafen, dem Stolz unserer Stadt, was weist den Besucher darauf hin, dass dieser schöne See einst durch Bagger geschaffen wurde? Nichts! Oder vielleicht doch? Etwa 200 Meter in westlicher Richtung vom Hafen entfernt befindet sich eine Stelle mit Granitsteinen ausgekleidet. Ich kann mich erinnern, dass dort mehrere Tafeln in Bildern die Entstehungsgeschichte des Sees erzählt haben. Wie lange sind sie schon nicht mehr da?

Im Erzgebirge geht man anders mit der Bergbautradition um, obwohl dort vor mehr als 100 Jahren der Bergbau aufgegeben wurde. Es macht mich traurig, wenn ich zusehen muss, wie bei uns mit unserer eigenen Geschichte umgegangen wird.