Ich bin für die Kassenbonpflicht und lasse mir den Bon auch aushändigen!

Worum geht es dabei? Der Staat will Ladenbetreibern das Unterschlagen von Umsätzen erschweren. Erstens muss überall dort, wo eine Registrierkasse genutzt wird, das Personal den Kundinnen und Kunden unaufgefordert einen Bon ausgeben. Zweitens schreibt die neue Abgabenordnung eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung vor, die die aufgezeichneten Inhalte vor nachträglicher Manipulation schützt.

Kassen bisher leicht manipulierbar

Registrierkassen müssen nachgerüstet werden, um etwa das nachträgliche Löschen von Umsätzen zu verhindern. Hersteller manipulationssicherer Kassen verkauften bisher ihre Geräte nur schwer. Viele der bisherigen Kassen sind manipulierbar.

Es gibt unter den Herstellern einen ungeschriebenen Wettbewerb, wie sich Umsätze gefahrlos tilgen lassen, teils mittels zusätzlicher Betrugssoftware. Trickreich lassen sich die registrierten Einnahmen senken, indem einzelne Warengruppen nachträglich verschwinden oder etwa Bedienpersonal in Gaststätten als „Trainingskellner“ geführt werden, deren Umsätze sich leicht löschen lassen.

So manche Rechnung kommt als „Zwischenbon“ oder „Testrechnung“. Das tut zwar nicht jeder, aber immerhin schätzt der Bundesrechnungshof, dass dem Staat pro Jahr etwa zehn Milliarden Euro an Steuereinnahmen entgehen.

Umsatzsteuer (auch Mehrwertsteuer genannt), die ich als Kunde bezahlt und dem Händler anvertraut habe, landet in der eigenen Tasche statt beim Finanzamt!

Kassenbon-Pflicht Viel Wirbel um nichts

Lauchhammer

In anderen Ländern längst Standard

Natürlich könnte man argumentieren, dass die Pflicht zur Anschaffung manipulationssicherer Kassen ausreiche. Doch das hilft nur, wenn Händler Umsätze überhaupt in die Kasse eintippen. Nur wenn Kunden den Bon mitnehmen, ist es für den Händler riskant, Umsätze verschwinden zu lassen.

Die ganze Diskussion geht auf ein drei Jahre altes Gesetz zurück. Zeit zur Umsetzung war also genug. Weil die Branche die Kassenumrüstung verschleppt hat, wurde ihr jetzt eine Galgenfrist bis Ende September eingeräumt. Die Bonpflicht, die in anderen europäischen Ländern, zum Beispiel in Italien und Österreich schon lange selbstverständlich ist, gilt ab sofort.

Das jetzt plötzlich Händler und Käufer zu entschiedenen Umweltschützern werden, ist erstaunlich. Jeder Kunde weiß, dass bei Handelsketten und Kaufhäusern Werbung, Logos und Barcodes für Rabattaktionen den meisten Platz auf dem Bon einnehmen, ohne dass das bisher einen Sturm der Entrüstung auslöste, ganz zu schweigen von den Papierbergen an Werbung und kostenlosen Werbeblättern, die einem täglich ins Haus fliegen.

Lore Seidel, Senftenberg