Eine verkaufte Milchkuhherde ist Sache eines Bußgeldverfahrens im Landkreis Spree-Neiße. Die Tierschutzorganisation Peta hatte Strafanzeige gestellt, weil nach ihrer Meinung einige Tiere beim Verkauf trächtig waren. Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren eingestellt. („Trächtige Kühe geschlachtet“, LR vom 4. Juni)

Wozu die vordergründige Aufregung? fragt Ann-Kristin Petzak aus Bloischdorf.
Weite Transporte sind auch schlimm

Eine Kuhherde wurde verkauft, weil die Milchproduktion eingestellt wurde. Die Tiere wurden – so wie ich es verstanden habe – an einen Händler verkauft. Das geschieht, wenn es korrekt läuft, mit Papieren. Damit ist bekannt, ob trächtig oder nicht.

Tatsächlich erscheint es verrückt tierquälerisch, dass die Kühe weit transportiert wurden, aber das hat nicht so viel mit dem eigentlichen Verkauf zu tun wie mit der Frage, wo heute die Schlachthöfe sind und wie viele es gibt.

Tierproduktion im großen Stil ist die Ursache

Wer trägt denn die Verantwortung für die (Fehl-) Entwicklung in der Tierproduktion und eben hier in der Milchproduktion, die letztlich ebenfalls Tierproduktion ist, da es keine Milch ohne Kälberproduktion gibt. Solange Tierproduktion im großen Stil rechtens ist, genau wie die langen Tiertransporte rechtens sind, wird sich nichts ändern.

Das bedeutet, so lange den Ämtern und Behörden die Arbeit durch Massentierhaltung (mir ist klar, dass es sich in diesem Fall nicht um die wirklich große Massentierhaltung handelt) und die Überprüfung von Großschlachthöfen vermeintlich erleichtert wird, weil es billiger erscheint, einen Massentierhalter zu überprüfen statt 100 Landwirte, und einfacher ist, einen großen Schlachtbetrieb zu kontrollieren statt viele Kleine. Solange Angst geschürt wird, dass wir alle nicht mehr satt werden, wenn es keine Tiermassenproduktion mehr gibt, so lange werden wir uns über die Spitze des Eisberges aufregen statt an der Wurzel der kommerziellen Tierproduktion anzusetzen.

Und am Ende wissen wir, es geht wie immer häufiger in unserer Gesellschaft um Geld und nicht um die Spitze des Eisbergs, der in diesem Fall die Kühe, egal, ob nun tragend oder nicht, sind.

Es wird sich nichts von allein ändern. Wenn wir so weiter leben wollen wie bisher, dann gehört genau dieses Procedere dazu.

Also bitte keine geheuchelte Aufregung über die armen ungeborenen Kälber. Hier geht es meiner Befürchtung nach um  andere Interessen. Also bitte mal überlegen, wer Interesse daran hat, Feuer/Aufregung auf der Spitze des Eisbergs zu schüren. (...)
Ann-Kristin Petzak, Bloischdorf

Anmerkung der Redaktion: Laut Tiererzeugnisse-Handels-Verbotsgesetz (§ 4) dürfen Säugetiere im letzten Drittel der Trächtigkeit nicht zur Schlachtung abgegeben werden, Schafe und Ziegen ausgenommen. Die Agrarland GmbH Felixsee beruft sich darauf, alle 300 Tiere in Einheit verkauft zu haben, ohne zu sortieren, welche Tiere in die Schlachtung sollen.