Es ist einfach toll, dass es immer wieder Verfechter der Politik gibt, wonach sich möglichst viele Institute, Forschungseinrichtungen, Kompetenzzentren und Zentren für digitale interdisziplinäre Systemforschung in der Lausitz ansiedeln sollen, um den Arbeitsmarkt zu beleben. Dazu hebt Redakteurin Christine Keilholz hervor, dass man damit „auf Technologie und Wissen setzt, statt auf Schornsteine und Tagebaue“.

Soll man es so verstehen, dass Frau Keilholz den Bergleuten und ihren Forschungseinrichtungen jegliches technologisches Verständnis in Abrede stellt? Und dies angefangen von der Erkundung von möglichen Abbaufeldern, der geologischen Erschließung, den notwendigen hydrologischen Maßnahmen, den Aufschluss eines Tagebaues, den Betrieb eines Tagebaues bis letztendlich zur Sanierung des ehemaligen Abbaufeldes?

Ganz abgesehen von der Forschung und Entwicklung zum Bau von Tagebaugeräten, welche ebenfalls eine lange technologische Entwicklung hinter sich gebracht haben.

Es waren nicht nur Unwissende am Werk

In diesem Zusammenhang zu sagen, dass man mit der Ansiedlung der oben genannten Einrichtungen endlich auf „Wissen“ setzt, das sollte man nicht tun. Dies würde (...) bedeuten, das vorher nur Unwissende am Werk waren. Das kann man so nicht stehen lassen (...).

In einem Punkt muss ich aber Frau Keilholz recht geben: Wissenschaftsstandorte sind Anker für mögliche zukünftige Ansiedlungen von industriellen Firmen, welche Arbeitsplätze schaffen und dafür braucht man lange, lange Zeit. Das hat sie richtig erkannt.

Diese Zeit hat aber die Lausitz nicht. Die Arbeitskräfte verlassen die Lausitz und laufen den möglichen Arbeitsplätzen hinterher. Und obendrein: Warum sollen sich Firmen in der Nähe von Wissenschaftsstandorten ansiedeln, welche Ableger, Außenstellen oder Töchter von Instituten sind. Das Wissen wird letztendlich am Hauptstandort generiert. Und dieser liegt meist nicht in der Lausitz. (...)

Außenstellen bringen nichts

Und was soll eine Außenstelle des BfS (Bundesamt für Strahlenschutz) in Cottbus? Will man sich mit der Gründung dieser Außenstelle rühmen? Wir hatten bereits vor der Wende ein Amt für Strahlenschutz. Es war in Berlin angesiedelt und hatte vielfältige Aufgaben (Strahlenschutz, Staubschutz, Überwachung strahlenexponierter Personen, Strahlenhygiene u.s.w.) abzusichern, und es war diesbezüglich in die internationalen Organisationen (z.B. Internationale Atomenergie-Organisation mit Sitz in Wien) eingebunden.

Nach der Wende wurde das Staatliche Amt für Atomsicherheit und Strahlenschutz (SAAS) eliminiert und die Aufgaben den einzelnen Bundesländern zugewiesen. Was für ein Witz!

Und jetzt weist man uns eine Außenstelle zu, um uns der Problematik der niederfrequenten Strahlung, Gefahren von elektromagnetischen Feldern, der Erweiterung des Mobilfunknetzes etc. näher zu bringen.

Das alles kann mich nicht beeindrucken. Ich sehe nur die Politiker, welche sich gegenseitig auf die Schulter klopfen, um sich mit dieser Außenstelle eines Amtes positiv vor der nichtsahnenden Bevölkerung zu präsentieren.

Georg Hentschel, Lauchhammer