Zwei Ihrer Beiträge waren es, die mich besonders berührten: Realistisch war, zur momentan bestimmenden Pandemie, der eine Artikel und fast surrealistisch anmutend die andere Darstellung.

So las ich am Mittwoch, 21. April, auf Seite eins: „Erster Corona-Toter im CTK“. Zwei Tage davor prangte dagegen auf Seite acht: „Souvenir für die Zeit danach: Plessaerin töpfert Corona-Viren“.

Welch ein Gegensatz! Welch eine Betroffenheit! Jedenfalls für mich, nachdem ich den Beitrag vom Mittwoch gelesen hatte. Bestätigte er mir doch, wie sehr uns dieses Virus noch immer im Bann hält, und dass auch der Tod im Zusammenhang mit dieser Krankheit noch immer präsent ist.

Am Montag dagegen war mir nicht ganz klar, ob ich da möglicherweise mit einem verspäteten Aprilscherz konfrontiert wurde. Nach wiederholtem Lesen fragte ich mich, ob ich das Ganze nicht als kleinen Töpferspaß hinnehmen sollte, um nicht gar als Spielverderber abgetakelt zu werden.

Aber, was die Dame aus Plessa tatsächlich aus Ton modelliert hatte, das wollte ich beim Betrachten der kleinen Abbildung nicht wahrhaben: Da liegen sie wirklich vor ihr auf dem Tisch, blau, grün und beige, den zwiefachen Brand bestens überstanden – Corona-Viren aus Ton kreiert, und dahinter sitzt strahlend die Künstlerin.

Der Fleiß, vor allem aber der Mut dieser Dame sollen hier keineswegs infrage gestellt werden, nur: „Souvenir für die Zeit danach“ lautet die Überschrift dieses Beitrags. Aber woran bitteschön, sollen mich diese kleinen Monster aus Ton erinnern?

An das Erlebnis vielleicht, als mir nach Atem ringend auf der Intensivstation ein Tubus in den Hals geschoben wurde? Vielleicht an den Verstorbenen aus meinem Bekanntenkreis, der dieser Krankheit erlag? An die Momente, als mich die finanzielle Misere an den Rand der Verzweiflung trieb?

Oder, was wäre noch alles an Schönem und Erinnerungswürdigem aufzuzählen, wenn wir uns einst an diese ereignisreiche Zeit im Frühjahr 2020 erinnern werden? Ob dann tatsächlich „Corona-Entzugserscheinungen“ auftreten werden, wie im Beitrag vermutet wird?

Souvenirs reflektieren nun mal auf das Schöne, das hinter uns liegt. Möglicherweise ließen sich diese aus Plessa aber auch noch posthum in Bill Ramseys Lied „Souvenirs, Souvenirs“ integrieren? Nun, in einer Gesellschaft, in der die Bespaßung ganz weit oben steht, ist eben alles möglich – auch getöpferte Viren.

Mal sehen, vielleicht geselle ich mich auch noch in die Reihe derer, die bei der Töpferin schon bestellt haben, für den Schreibtisch wohlgemerkt, an „strategisch günstiger Stelle“, das heißt, falls mich bis dahin das eigentliche Virus nicht selbst noch erfasst hat und ich eine schön glasierte Keramik aus Plessa nur als farbige Vision ins Jenseits mitnehmen kann.

Wilfried Arsand, Doberlug-Kirchhain