Auf der Lübbenauer Webseite der Touristinformation wird der Weg nach Wotschofska als einen der schönsten Wanderwege des Spreewaldes beschrieben und das man das Gasthaus „Wotschofska“ nur zu Fuß oder mit dem Kahn erreichen kann. Dass es ein wunderschöner und sehr ursprünglicher Wanderweg ist, kann ich nur bestätigen. Nicht nur in der Saison treffe ich auf viele Wanderer, die es wohl genau so sehen. Der größte Teil des Weges ist nur einen Meter breit. Wenn dann doch mal ein Fahrradfahrer kommt, der sein Rad an der Brücke seitlich hoch und runter schieben kann, geht man als Wanderer zur Seite, denn beide passen nicht nebeneinander und das auf der gesamten Strecke.

Jetzt soll sich alles ändern. Der Weg nach Wotschofska soll fit gemacht werden für Elektrofahrräder. Dafür sollen an fünf Stufenbrücken große Stahlkonstruktionen gebaut werden, wo man die Räder auf einem Stahlgestell über das Wasser ziehen kann. Das dafür ein stattliches Fundament notwendig ist, ist ohne Frage. Es fällt mir schwer, sachlich über dieses Vorhaben zu schreiben, denn was da mitten in der Natur passieren soll, lässt meine Emotionen hoch kochen.

Erstens gibt es der schmale kurvenreiche Weg für einen steigenden und schnellen Fahrradverkehr gar nicht her. Ist die Folge dann etwa, dass der Weg später breiter gemacht und begradigt werden muss? Müssen dann Hunderte Bäume, die den Weg säumen, dafür fallen?

Zweitens finde ich die traditionell gebauten Brücken als etwas sehr typisches vom Spreewald und für viele Besucher sind sie ein Foto wert. Wer möchte diese dann im Zusammenhang mit einer Stahlkonstruktion fotografieren?

Ich weiß, dass ich mir mit diesem Leserbrief nicht nur Freunde mache, aber ich muss es im Namen unserer Natur tun, denn die wird mit diesem Projekt unwiderruflich zerstört. Wir müssen aufpassen, dass wir gerade die Einzigartigkeit des Spreewaldes nicht zu sehr verändern, denn genau deswegen kommen die Touristen.

Dass der Weg für Fahrradfahrer jetzt schon zu schmal ist, habe ich in den vielen Jahren, den ich den Weg gehe, oft erlebt. Eine nur ein Meter breite Brücke wurde schon für so Manchen zum Verhängnis. Unsichere Radler kommen mit dem Lenker an das Geländer, straucheln und fallen in die Büsche. Wenn dann später die schnellen Elektrofahrräder dazukommen, sind Unfälle programmiert und das nicht nur an der Stelle. Wandern ist auf diesem Weg dann nicht mehr möglich. Wir wissen ja alle, wie es auf dem Weg nach Leipe, der Fahrradautobahn zwischen Lübbenau und Burg, zugeht. Da hat man als Wanderer keine Chance mehr, den Weg zu genießen. Ich frage mich ernsthaft, welche Lobby dahinter steht, um so einen großen Eingriff in die Natur zu rechtfertigen. Dieser Aufwand, für 3,5 km, denn nach dem Gasthaus Wotschofska beginnt der schlecht befahrbare Plattenweg, der nicht verändert werden darf, weil er im Naturschutzgebiet liegt. In meinen Augen schaufeln wir uns mit solchen Veränderungen unser eigenes Grab.

Ich wünschte mir, das die Leute, die sich das (sogar mit Fördermittenl unterstützte Projekt) ausgedacht haben, einmal den Weg gehen würden, die Tiere beobachten, die wilde Seite des Spreewaldes erleben und die Stille genießen. Fördermittel können manchmal auch ein Fluch sein.

Warum muss ein über 100 Jahre alter Wanderweg dem Fortschritt weichen?

Simone Brüggemann-Riemer
Lübbenau