Ich muss Frau Hilscher zunächst recht geben: In den „sozialen Medien“ eine sachliche Diskussion führen zu wollen, ist ein nahezu aussichtsloses Vorhaben. Da gibt es oft nur Schwarz oder Weiß, die jeweils andere Seite wird niedergemacht.

Ich widerspreche aber ihrer Auffassung, dass sich darüber streiten ließe, ob die Formen und Methoden der „Aktivisten“ von „Ende Gelände“ richtig sind.

Grenze überschritten

Solange Demonstrationen und Proteste im gesetzlich vorgegeben Rahmen stattfinden und damit auch im öffentlichen Raum, ist das in Ordnung und muss hingenommen werden, auch wenn man die Meinung der Demonstranten nicht teilt.

Wem es wichtig ist, dem die andere, eigene Meinung entgegenzusetzen, der kann ja zu einer Gegen-Demo aufrufen.

Wenn aber in Betriebsgelände eingedrungen wird, Anlagen besetzt, Verkehrswege blockiert und so zur Abwehr von Gefahren für die Demonstranten (!) die Verantwortlichen in den Unternehmen zur Außerbetriebnahme dieser Einrichtungen genötigt werden, wenn Einrichtungen beschädigt oder zerstört oder deren Funktion beeinträchtigt wird, ist eine Grenze überschritten.

Es kann auch nicht sein, dass man diese Demonstranten einfach ziehen lässt und es so für die meisten folgenlos bleibt. (...)

Abwegiger Vergleich mit Syrien

Wirklich entsetzt hat mich aber ein Foto, auf dem einem Zug von Demonstranten ein Transparent mit der Aufschrift „Ob Lausitz oder Rojava, Klimaschutz heißt Antifa!“ vorangetragen wird.

Es ist schon ziemlich abwegig, die Situation hier in der Lausitz mit der im überwiegend kurdischen Nordosten Syriens zu vergleichen. Wenn dann aber auch noch Klimaschutz und antifaschistischer Kampf in Verbindung zueinander gebracht werden, frage ich mich: Wer sind die „Faschisten“?

Die Leag und deren um ihre Arbeitsplätze besorgten Mitarbeiter? Die Bundes- und Landespolitiker und die für Bergbau und Energiewirtschaft zuständigen Behörden, die der Forderung nach sofortigem Ende von Kohleabbau und -verstromung nicht folgen, weil dies erhebliche wirtschaftliche und soziale Konsequenzen hätte (dass man sich schon viel früher mit diesen Problemen hätte beschäftigen müssen, steht dabei außer Frage)?

Die Polizisten, die „zwischen die Fronten“ geschickt werden, um zu verhindern, dass die Protestaktionen ausufern und Gesetzlosigkeit zur Normalität wird?

Wer das – wichtige! – Thema Klimaschutz in diesen Zusammenhang bringt, relativiert Faschismus und Nazidiktatur und ist damit in fataler Nähe zu einem Politiker, der vor einiger Zeit Hitler und die Nazis als einen Vogelschiss in 1000-jähriger deutscher Geschichte bezeichnete. Die Kohlegegner sollten sich gut überlegen, unter welchen Losungen sie demonstrieren.

Wilfried Bartholomäus, Bad Muskau