Gut liest sich die Überschrift. Erschrocken wäre ich, wenn ich gelesen hätte: „Braucht Lübbenau noch ein Denkmal?

Beim Lesen des Artikels erinnerte ich mich an einen Spruch vom ehemaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulle : „Die Kultur eines Volkes erkennt man daran, wie es mit seinen Toten umgeht.“

Ein Umgang mit Toten hat nach wie vor ganz viel mit Würde zu tun.

Meine Spreewaldstadt Lübbenau hat einen historischen Stadtkern, eine dazugehörende Neustadt und seine 13 Ortsteile.

Alle 13 Ortsteile haben einen Gedenkort. Alle wurden erstmalig nach Beendigung des Ersten Weltkrieges errichtet und nach Beendigung des noch grausameren Zweiten Weltkrieges mit den Namen der gefallenen Söhne erweitert.

Diese Gedenkorte werden alle seither von den Bürgern ordentlich und ehrenamtlich gepflegt.

Hier gehört aber mal ein richtiges Dankeschön geschrieben.

Meine Spreewaldstadt hat aber auch ein sowjetisches Ehrenmal, eine VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten e.V.) Gedenkanlage und eine gräfliche Erbbegräbnisstätte.

Letzteres wurde auf Initiative der Familie zu Lynar in Zusammenarbeit mit der Stadt Lübbenau 2012 wieder sichtbar gemacht. Ohne viel Tamtam und reibungslos.

Zwei Jahre später, im Sommer 2014 las ich einen Artikel in der LR von der Familie zu Lynar („Aufruf zu Erinnern, Mahnen und Versöhnen“). Genau diese Schriftzüge sind auf dem Bild des heutigen Artikels zu sehen. Das ist wie ein Wink mit dem Zaunpfahl. Gedenken kann ich, wenn ich will überall.

Ehrendes Gedenken ist aber würdevoller an einen sichtbaren Ort. Welches Denkmal braucht Lübbenau? Lübbenau braucht kein neues Denkmal. Lübbenau hatte in der City „Das besondere Denkmal“. (...) Es schlummert auf dem städtischen Bauhof.

Diese Fragmente können dann auf dem Alten Ehrwürdigen Friedhof in der Neustadt einen würdigen Platz finden. Ganz in der Nähe der Lynarschen Erbbegräbnisstätte und des sowjetischen Ehrenmals.

Die symbolischen fehlenden 30 Prozent des „Besonderen Denkmals“ könnten in Form einer Stele mit dem Kreuz versehen, den Ort des Erinnerns, des Gedenkens, der Mahnung und der Versöhnung darstellen. Als geeigneter Platz dafür bietet sich eine Nische vor der NikolaiKirche an.

Ich wünsche Allen bei der geschichtlichen Aufarbeitung Respekt und Toleranz.

Martina Molle, Lübbenau