„Vier Hektar Lübbenauer Geschichte“: Wow, was für eine Überschrift. Wenn ich nicht so sensibel wäre, würde ich annehmen, es geht um die Ackerfläche eines damaligen Ackerbürgers. Der Artikel ist gedruckt, er ist feinfühlig, les- beziehungsweise erlebbar geschrieben.

Auch ich hatte durch meine Tätigkeit als Garten- und Landschaftspfleger, später als Garten- und Grabpfleger, viele emotionale Erlebnisse auf diesen vier Hektar.

Grabanlagen wieder sichtbar gemacht

Das begann exakt vor 20 Jahren. Schon zu diesem Zeitpunkt befand sich der ehr- und denkwürdige Friedhof in einem ebenso erbärmlichen Pflegezustand.

Mit 24 Frauen und einem Mann durfte ich für ein Jahr eine Umschulungsmaßnahme leiten. Bestimmte Gebiete des Areals wurden in Abstimmung mit Pfarrer Joachim Liedke auf Vordermann gebracht. Wir haben dazu kein Geld gebraucht, lediglich die Toilette und an wirklich schlechten Wettertagen den Gemeinderaum.

Sehr viele Grabanlagen wurden wieder sichtbar. Alle Säulen haben wir freigelegt, Wildwuchs entfernt und zum Totensonntag mit natürlichem Material eingedeckt, ebenso den Grabschmuck selber hergestellt und niedergelegt.

Das Nachhaltigste aber waren die Begegnungen mit den Menschen, die schon immer ihre Gräber pflegen. Es sind aber auch Angehörige dazugekommen, die durch unsere Tätigkeit ihre Grabanlagen wieder entdecken konnten. Sie sind heute noch dankbar. Bis vor vier Jahren, bis zur Absperrung, betreute ich als Grabpflegefirma sieben Grabstätten auf dem Alten Friedhof.

Schnell wieder zugänglich machen

Alle Angehörigen wollen nun wissen, wie der Stand ist, wann wieder gepflegt und besucht werden kann. Soll oder kann ich ihnen sagen, dass es ein Parkpflegewerk gibt im nächsten Jahr? Es gibt auf den „vier Hektar Lübbenauer Geschichte“ ein Areal, das zugänglich ist, ohne Absperrungen. Zum Beispiel die Grabanlage Wutk.

Genau vor einem Jahr hatte unsere Stadt eine für mich noch sehr lang nachwirkende professionelle Ausstellung „100 Jahre Beendigung Erster Weltkrieg“ im Rathaus gezeigt. Bernhard Wutk, seine Geschichte und sein Schicksal spielten eine tragende Rolle dabei.

Seine Grabanlage wird durch die Frühjahrs- und Herbstputzaktion von den Schützenkameraden der Schützengilde zu Lübbenau 1655/1991 e.V. unentgeltlich gepflegt. Selbstverständlich zum Totensonntag natürlich eingedeckt und mit selbstgemachtem Grabschmuck bedacht.

Viele Lübbenauer Bürger wollen sofort mithelfen beim Harken und Wildwuchs entfernen. Auch wenn es nicht die eigenen Grabanlagen sind. Hauptsache es dauert nicht wieder unendliche lange Jahre. Mit meiner Erfahrung und dem geschichtlichen Interesse stehe ich jederzeit ehrenamtlich gern zur Verfügung.

Martina Molle, Lübbenau