Alles nicht nachvollziehbar

Ein für mich nicht zu verstehender Vorgang. Ich bin im Zweifel, ob dies rechtlich überhaupt standhalten kann. Im Jahr 2019 wurde beschlossen, dass am Kochsagrund neu gebaut wird. Wo kommen wir denn hin, wenn nach jeder Wahl Beschlüsse der vorhergehenden Stadtverordneten einfach gekippt werden können?

Angeblich haben sich die Bedingungen geändert. Jedenfalls wird es von den Fraktionen unter Herrn Süßmilch (SPD) und Herrn Stobinski (DNG) so behauptet. So sei fraglich, ob der Standort am Kochsagrund überhaupt sinnvoll ist. Auch sei der Standort nie populär gewesen. Anwohner vom Florian-Geyer-Weg wehrten sich gegen den Bau im Bereich der Solaranlage. Der Standort Alexander-Puschkin-Platz biete den Vorteil, dass durch zwei Bauabschnitte ein Weiterbetrieb der alten Schwimmhalle möglich sowie die Baukosten erheblich geringer seien. Die Entfernung  zum Kochsagrund sei auch zu groß. Aber: Dass der Standort nie populär gewesen sei, wurde nur von einigen Abgeordneten eingebracht und von diesen immer wieder geschürt. Worauf stützen sie denn ihre Behauptung?
Sehen wir uns die Schwimmhallen in Senftenberg, Görlitz oder auch Cottbus an. Hier sind die Wege erheblich weiter. Wer  schwimmen gehen möchte, der nimmt auch längere Wege in Kauf. Zudem dürften mit dem Verschieben des Standortes in  Nähe des Schwimmbeckens im Freibad kaum noch Probleme mit Anwohnern auftreten. Es erscheint mir ein sinnvoller Kompromiss. Ob ein Parallelbetrieb zwischen alter Schwimmhalle und neuer Schwimmhalle beim Neubau am Alexander-Puschkin-Platz möglich ist, zweifle ich an.
Jedenfalls würde bei einer Schließung der alten Schwimmhalle für zwei bis drei Jahre der Schwimmverein 1921 dies nicht überstehen. Der Trainingsbetrieb wird nur durch ehrenamtliche Übungsleiter durchgeführt. Ein Ausweichen auf eine andere Schwimmhalle in Cottbus oder Hoyerswerda ist wegen mangelnder Kapazitäten dort nicht möglich und logistisch sowohl für die Ehrenamtler des Vereins als auch für die Eltern der Kinder über einen so langen Zeitraum nicht zu stemmen.
Ob sich alle nach der Schließung wiederfinden, wäre vollkommen ungewiss. Die Leistungen, die die Kinder mit ihren Trainern und Eltern in der letzten Zeit erreicht haben, werden zunichte gemacht. Wir sollten nicht vergessen, dass mit dem Training im Schwimmverein, aber auch bei der Wasserwacht über das Schwimmenlernen hinaus ein Erziehungs- und Bildungsauftrag für die Kinder und Jugendlichen wahrgenommen wird.
Ob die Baukosten wirklich geringer werden, wurde ausweislich der Rede der Bürgermeisterin in der Stadtverordnetenversammlung wohl schon einmal untersucht und ist danach eher unwahrscheinlich.  Baugrunduntersuchungen vom Alexander-Puschkin-Platz sind mir nicht bekannt. Fakt ist aber, dass sich dort der frühere Westbahnhof befand. Ob eine Verlegung der anliegenden Medien möglich ist, ist für mich ebenfalls fraglich. Zudem ist offen, ob sich nicht auch Anwohner dort gegen einen Neubau einer Schwimmhalle wehren. Und ob die Schwimmhalle in der jetzigen Konzeption in zwei Bauabschnitte aufgeteilt werden kann, erscheint mir zweifelhaft. Und was ist eigentlich mit den vielen Hundert Saunabesuchern, denen dann für eine ungewisse Zeit keine Sauna mehr zur Verfügung steht?
Die Synergieeffekte, die es beim Bau der Schwimmhalle am Kochsagrund gäbe, fallen dann in jedem Fall alle weg. Die älteren Schwimmer kennen es, was es für ein Vorteil ist, wenn Schwimmhalle und Freibad nebeneinander liegen, aus ihren Wettkämpfen aus Neumünster. Wie soll man diese Verbesserungen alle in Geld ausdrücken?

Nun soll durch eine Machbarkeitsstudie geprüft werden, ob die Behauptungen der Fraktionen unter Herrn Süßmilch und Herrn Stobinski überhaupt stimmen. Mich erinnert das an den Vorschlag der Links-Fraktion vor einigen Jahren, als sie für die Rekonstruktion der alten Schwimmhalle am jetzigen Standort war, die Schwimmhalle jedoch eine fünfte Bahn bekommen sollte.

Was mit dem neuen Beschluss wirklich erreicht wurde, ist, dass sich der Baubeginn der Schwimmhalle um mindestens weitere neun Monate verschiebt. Ist dies angesichts des baulichen Zustands der alten Schwimmhalle wirklich im Interesse der Spremberger Bürger? (...)

Wolf-Dietrich Bennewitz,
Spremberg
Bürger denken oft anders

Der Streit um den Standort der neuen Schwimmhalle dauert nun schon Jahre. Sehr entscheidungsfreudig sind die Stadtverordneten nicht, wie man merkt. Und Fehlentscheidungen sind auch nicht selten. Dass die Meinung der Stadtverordneten nicht unbedingt die der Bevölkerung entspricht, zeigt sich erneut. Schon damals, 2017, war die Meinung der Bevölkerung, die neue Schwimmhalle neben die alte zu bauen.

Jetzt haben sich die Mehrheitsverhältnisse im Stadtparlament verändert mit dem Ergebnis, dass dem Wunsch der übergroßen Mehrheit der Bevölkerung entsprochen wird. Mit einem Bürgerentscheid, der damals abgelehnt wurde, hätte man viel Zeit und Geld sparen können. Von der direkten Demokratie auf Gemeindeebene hält die Spremberger Stadtverordnetenversammlung nicht viel!.
Noch ein Beispiel: Den auf dem Georgenberg geborgene Obelisk zum Gedenken an die Gefallenen unserer Gegend im Krieg 1870/71 nicht mehr auf dem Georgenberg aufzustellen, sondern mitten in der Stadt am großen Kreisel, finde ich entwürdigend. Wenn schon nicht an der alten Fundortstelle, dann aber wenigstens auf dem alten Georgenbergfriedhof. Der Obelisk ist doch kein Meilenstein!
Dass der Georgenbergverein einen derartigen Vorschlag macht, kann ich nicht nachvollziehen.
Heinz Wiesner, Spremberg