Die verwahrloste Brache im Stadtzentrum von Cottbus erzürnt immer mehr Cottbuser. Dankenswerterweise widmet sich die LR in letzter Zeit intensiver diesem Ärgernis. Die Herangehensweise der Stadtverwaltung (private Geldgeber/Investoren) ist erst einmal nachvollziehbar, weil sie die Kassen der Stadt nicht belastet. Der steigende Zorn der Bürger ist ebenso verständlich, denn diese verwahrloste Fläche ist ein dauerhafter Schandfleck seit über einem Jahrzehnt.

Die Stadtverwaltung lässt sich aber vom Investor nun zu lange an der Nase herumführen (Geschäftsführer der EKZ Stadtpromenade GmbH ist René Becker/Anm. d. Red.). Einige seiner Aussagen sind nicht in sich konsistent, weil sie sich teilweise widersprechen. So erweckt er den Eindruck, die Bauverzögerung sei geringfügig und benennt dazu einen Zeitraum von zwei Jahren (April 2018 bis jetzt). (...) Für die hohen Kosten für Flächensicherung usw. von 787 000 Euro setzt er nun aber nicht die zwei Jahre, sondern etwa 14 Jahre an (2006 bis jetzt). Er wollte und sollte also schon über ein Jahrzehnt dort bauen. Wegen des langen Zeitraumes dieses unhaltbaren Zustandes ist er selbst hauptsächlich für diese hohe Summe verantwortlich.
Er beklagte auch kritische Berichterstattungen, die die Realisierung des Projekts beeinträchtigen könnten. (...) Die Ursache ist allein der über ein Jahrzehnt bestehende Missstand im Stadtzentrum und nicht Medien, die darüber berichten. (...)
Bekommen wir vielleicht wegen der von ihm genannten Finanzlücke, wenn überhaupt, einen abgespeckten „Billig-Bau?“ Natürlich ist jede Lösung besser als die Brache, aber ist die wahrscheinliche Billig-Variante die beste Lösung? Der Klimawandel (...) erfordert in Stadtzentren grüne Lungen, Büsche, Baumschatten und Springbrunnen. Aber weitere Betonbauten werden, wie bekannt, die Temperaturen in Stadtzentren weiter erhöhen, da sie Wärme speichern und diese am nächsten Tag zusätzlich zur Sonneneinstrahlung abgeben! Dann wird das Einkaufen in Stadtzentren in Hitzeperioden zur Qual. (...) Unsere gewählten Bürgervertreter sollten mit den Verantwortlichen im Land und im Bund sprechen mit dem Ziel, Finanzen für einen Rückkauf der Fläche zu ermöglichen, falls in den nächsten Monaten nichts Entscheidendes passiert. (...)
Das am 3. 7. 2020 beschlossene Kohleausstiegsgesetz und das Strukturstärkungsgesetz lassen zweistellige Milliardenbeträge (...) in die Lausitz fließen. Zur Verbesserung der Energie-, der Digital- und der Verkehrsstrukturen gehört ja wohl bestimmt auch die Heilung der strukturellen Wunde der Brache im Stadtzentrum. Die Lausitz ist genug gebeutelt, da haben sich die Spitzen der Parteien Deutschlands auch weiter starkzumachen für ein vernünftiges Cottbuser Stadtzentrum. Michael Ziegler, Cottbus