Zu „Profit geht vor Sicherheit“ (LR vom 17. April): Als Vorsitzender der Bezirksgruppe Cottbus des Blinden- und Sehbehinderten-Verbandes Brandenburg frage ich mich: Müssen blinde Menschen in Zukunft besser zu Hause bleiben?

„Elektrokleinstfahrzeuge“ klingt erst mal harmlos. Mit diesem Begriff werden beispielsweise elektrisch betriebene Tretroller bezeichnet. Laut Verkehrsplanern gehört ihnen die Zukunft, weil man sie in Bus und Bahn mitnehmen und dann im Anschluss nutzen kann, um die letzten Meter bis zum Ziel zurückzulegen. Mehrere Verleih-Unternehmen stehen schon in den Startlöchern. Zum Umgang mit diesen Fahrzeugen hat das Bundesverkehrsministerium einen Referentenentwurf für eine Verordnung veröffentlicht. Beim Lesen des Entwurfs muss man sich wirklich fragen, ob das Wort ,Gehweg‘ zukünftig noch seine Berechtigung hat. Elektrokleinstfahrzeuge bis zwölf km/h Höchstgeschwindigkeit sollen nämlich zukünftig auf Gehwegen zugelassen sein. Einzige Voraussetzung, um sie zu fahren, ist ein Mindestalter von zwölf Jahren. Und abstellen soll man die Geräte dann wo? Richtig – auf dem Gehweg.
Der Gehweg muss ein Weg zum Gehen bleiben! Es kann nicht sein, dass der ohnehin schon knappe Platz zukünftig mit Teenagern, gestressten Berufstätigen und anderen Menschen geteilt werden muss, die dort mit dreifacher Schrittgeschwindigkeit unterwegs sind.
Die Zeiten, da besonders blinde Menschen Autos hören und gelegentlich riechen konnten, sind vorbei. Schon jetzt kann man Elektrofahrzeuge nicht hören. Sie sind plötzlich da. Von den Elektroautos fordern wir, dass die Industrie entsprechende Geräusche einbaut, so wie es in den USA Vorschrift ist. Schon jetzt sind kombinierte Rad- und Fußwege vielerorts nur schlecht zu erkennen oder sie sind zu schmal.

Joachim Haar, Cottbus