Sehr geehrte Abgeordnete des Strukturwandelausschusses, der Strukturwandel ist beschlossen. Gesetze und Beschlüsse werden von der Politik auch für die jungen Menschen der Lausitz verabschiedet. Der notwendige Ausbau von Kinder- und Jugendeinrichtungen wurde im Paragraf 3 des Strukturstärkungsgesetzes erkannt, aber das ist uns nicht genug.
Am 26. August 2020 hat der Landtag Brandenburg richtigerweise beschlossen: „Insbesondere die jungen Lausitzerinnen und Lausitzer [...] müssen dabei einbezogen werden." Gleichzeitig nehmen wir auch Äußerungen wie diese des Lausitzbeauftragten wahr: Es „hat sich herausgestellt, dass es nicht einfach ist, die Betroffenen zum Mitmachen zu aktivieren.“
Es wird auch immer wieder betont, dass die Menschen den Strukturwandel als Chance sehen müssen. Wir würden sehr gerne die Chance für Veränderungen ergreifen. Aber in unserer kurzen Vergangenheit haben wir immer wieder gemerkt, dass es nicht so leicht ist, sich einzumischen.
v.l.n.r: Frauke, Stefan, Nico, Katharina und Anton mit einer Zwischenversion des Briefes im September vor dem Gladhouse in Cottbus
v.l.n.r: Frauke, Stefan, Nico, Katharina und Anton mit einer Zwischenversion des Briefes im September vor dem Gladhouse in Cottbus
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Dabei ist Beteiligung essenziell, wie auch Sie und Herr Freytag bereits erkannt haben. Denn es geht darum, dass nicht erneut eine Generation der Lausitz den Rücken kehrt und dass die Lausitz eine Zukunftsregion wird, in der nicht nur junge Menschen bleiben wollen und können, sondern die auch so attraktiv ist, dass junge Menschen hierherziehen wollen. Es geht also um uns.
Also wollen wir auch mitbestimmen, wie die Lausitz in der Zukunft aussieht. Für uns ist Strukturwandel mehr als nur der Ausbau von Straßen und Schienen und das Aufbauen neuer Wirtschaftszweige und der geordnete Rückbau der Braunkohlewirtschaft.
Wenn die Lausitz eine Modellregion werden soll, müssen aus unserer Sicht auch die Mega-Trends Klimaschutz, Digitalisierung und die Entwicklung ländlicher Räume mit neuen Ideen angegangen werden. Und wir sind der festen Überzeugung, dass viele junge Menschen Bock haben, ihre Ideen vor Ort einzubringen, wenn sie die Mittel und die Möglichkeiten bekommen. Schließlich sind wir auch die Expert*innen, die wissen was junge Menschen für ein gutes Leben brauchen!
Wir wünschen uns von Ihnen: Bauen Sie die Hürden für das Engagement junger Menschen ab! (...) Kommunizieren Sie verständlich und erklären sie die Zusammenhänge des Strukturwandels so, dass Jugendliche es verstehen können. (...) Erleichtern Sie die Zugänge zu Beteiligungsmöglichkeiten, indem Sie z.B. schnell den Öffentlichen Personennahverkehr ausbauen, damit junge Menschen der ländlichen Lausitz auch in ihrer Freizeit noch an Aktivitäten außerhalb ihres Wohnortes teilnehmen können. Auch der Zugang zum Internet ist in Pandemiezeiten essenziell, um an Online-Beteiligungsangeboten teilzunehmen.
Stärken Sie den hierarchiefreien Dialog, damit sich junge Menschen trauen, offen ihre Interessen zu äußern. Schaffen Sie Perspektiven: Nicht nur, indem Sie für gute Zukunftsaussichten und Arbeitsplätze sorgen, sondern auch, indem Sie, besonders in Brandenburg, transparent, offen und leicht zugänglich unterschiedliche Beteiligungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen (...) – vor allem dort, wo sich junge Menschen aufhalten.
Schaffen Sie eine Willkommenskultur: Das Engagement junger Menschen muss in der Gesellschaft Platz haben. (...) Das bedeutet aber auch, dass Schulen junge Menschen freistellen sollen, wenn diese an einem Beteiligungstermin teilnehmen wollen.
Aktivieren Sie die Selbstwirksamkeitskräfte der Kinder und Jugendlichen durch Erfolgserlebnisse. (...) Selbstwirksamkeit zu erleben ist essenziell, um sich zu einem mündigen Mitglied der Gesellschaft zu entwickeln.
Junge Menschen sind nicht nur zukünftige oder neue Wähler*innen. Wir (...) wollen zu unserer Gesellschaft beitragen und aktive Bürger*innen werden. Wir sind auch diejenigen, die in Zukunft unsere pluralistische Gesellschaft mit Leben füllen werden.
Wir finden, es ist auch Ihre Verantwortung dafür zu sorgen, dass junge Menschen in der Lausitz ein aktives Demokratieverständnis aufbauen können. Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, sich zu beteiligen. Aber dieses Recht alleine reicht nicht aus, wenn die Bedingungen nicht stimmen. Demokratie lebt auch vom Dialog.
Wir möchten Sie daher einladen, mit uns über die Herausforderungen von Partizipation ins Gespräch zu kommen, und freuen uns auf Ihre Antwort.

Zur Initiative

In der Initiative Jugendwandeltstrukturen haben sich fünf junge Cottbuser im Alter von 15 bis 26 Jahren zusammengetan, um für die jungen Lausitzer mehr Mitspracherechte beim Strukturwandel und in der Gesellschaft einzufordern.

Die Idee dazu hatten Anton Kroeber, BTU-student und Landessprecher der Bundjugend, und Frauke Gehrau, politische Referentin und Mitglied der Bundesleitung der Naturfreundejugend. Stefan Binder (BTU-Student, Grüne Jugend Lausitz, Nico Kornisch (Schüler am Leichhardt-Gymnasium Cottbus, aktiv im Jugendforum Cottbus) und Katharina Woschick (BTU-Studentin im Fach Soziale Arbeit) sind einem Webaufruf zum Mitmachen gefolgt und so zur Initiative gestoßen.