Alle wollen raus. Alle wollen unterwegs sein. Und sind doch vorsichtig und gewarnt. Vielfach werden wir gemahnt, achtsam zu sein, Abstände zu wahren und darin unseren Respekt und unsere Achtung für andere auszudrücken.

Jetzt, über die Ostertage, fällt es besonders schwer. Die Kanzlerin hat von österlichen Verwandtschaftsbesuchen abgeraten. Und dabei gehören diese Besuche so wesentlich zu dem, wie wir Ostern gerne feiern. Miteinander.

„Vom Eise befreit…“ sind die Bäche ja schon länger, aber das „Hoffnungsglück“, das „im Tale grünet…“ (Goethes Osterspaziergang), das will sich zeigen. Menschen wollen ihr Glück zeigen und teilen.

Im Osterfest bricht sich das große Lebensglück Bahn. Der wundervolle Frühling treibt alle seine Blüten hervor. Das zieht die Blicke an. Und zieht uns dorthin. Fassen und spüren, riechen und berühren, wollen wir das frische Grün. Leben zieht an. Das feiern auch Menschen, die sich dem christlichen Glauben verbunden wissen, jedes Jahr am Osterfest.

Zuvor war es hart und schwer zugegangen. Jesus war wie ein Verbrecher vor den Stadttoren Jerusalems hingerichtet worden. Und dabei hatte er zunächst vielen Menschen als Retter gegolten. Weil er so besonders mit den Menschen gesprochen hatte, liebevoll und milde.

Weil er immer wieder betont hatte, dass Frau und Mann auch Schweres hinter sich lassen können und jederzeit ein neuer Anfang möglich ist. Miteinander und mit Gott. Ja, ein ganz besonderer Gottesmann war der. Da waren sich viele einig. Gottes Sohn – so vertraut, wie er mit Gott umging.

Und dann war die Stimmung gekippt und sie wollten ihn am Kreuz sehen. Als er am Karfreitag starb, war das für manche der Beweis, dass Gott ihn im Stich gelassen hatte.

Doch dann, so erzählt es die Bibel, ist drei Tage später am Ostermorgen der Tote nicht mehr im Grab zu finden. Einige erleben, dass Jesus weiter unter ihnen ist und sie ihn hören, als stünde er vor ihnen. Und sie rufen es sich zu: Stellt euch vor. Jesus lebt. Ihr findet ihn und alles, wofür er gelebt hat, bei den Lebenden. „Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden.“

Gott hebt Menschen auf und hält sie, wenn der Tod das Leben bedrängt oder gar fällt. Wenn das Schwere uns zu Boden drückt, ruft er unsere Namen. Er führt durch den Tod hindurch und ruft Menschen zum Leben und zum Licht.

Das Leben bekommt gewissermaßen frische Luft. Ich glaube, dass wir diesen frischen Wind Gott verdanken. Der immer neu Leben schafft und alles Lebendige beflügelt. Der liebt und sich immer wieder ganz und gar mit den Menschen verbindet. Dafür steht Jesus, der Mann aus Nazareth, in dessen Namen die christliche Gemeinde Menschen tauft.

Frischen Wind, im Sinne von Veränderung, wird die Coronakrise auch ins Osterfest bringen. Auch da wird es wieder Gottesdienste für zu Hause geben, so wie hier aus der Kirche Hirschfeld (Landkreis Elbe-Elster) anlässlich der Amtseinführung des neuen Pfarrers Hans-Jörg Heinze (56).
Frischen Wind, im Sinne von Veränderung, wird die Coronakrise auch ins Osterfest bringen. Auch da wird es wieder Gottesdienste für zu Hause geben, so wie hier aus der Kirche Hirschfeld (Landkreis Elbe-Elster) anlässlich der Amtseinführung des neuen Pfarrers Hans-Jörg Heinze (56).
© Foto: Jens Trenkler/dpa

Ostern feiern wir Auferstehung, wenn auch in diesem Jahr anders. Gottesdienste werden nicht wie sonst in Kirchen gefeiert. Vieles geschieht deshalb an der frischen Luft und mit Abstand zueinander. Posaunen blasen es von Kirchtürmen und verbreiten freudige Klänge „Wir wollen alle fröhlich sein in dieser österlichen Zeit“. Manche halten Zuhause Andacht und Gottesdienst. Im Wohnzimmer, im persönlichen „Herrgottswinkel“, am Küchentisch in der Sonne.

Von den Kirchtürmen aber hören wir es miteinander, landauf und landab, lautstark und weit reichend und grenzüberschreitend. Das Glockenläuten am Ostersonntag. Diese klingenden Osterglocken beflügeln unseren Osterglauben.

Menschen wollen raus. Ins Leben. Auch zurück in die Alltäglichkeit. Ja, wir brauchen neue Hoffnung und neue Kraft. Ostern ist in diesem Jahr ganz anders. Und doch erzählt es uns wie jedes Jahr von Auferstehung zum Leben. Weil Leben stark ist und Liebe Fesseln sprengt. Frohe und gesegnete Ostern!

Zur Person


Theresa Rinecker wurde 1964 in Merseburg geboren und studierte an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena evangelische Theologie.

Von 1991 bis 2007 war sie Pfarrerin in Thüringen, von 2008 an leitete sie das Seelsorgeseminar der Mitteldeutschen Kirche. Als pastoral-psychologische Supervisorin hat sie vielfältige Beratungserfahrung im kirchlichen, diakonischen und sozialen Bereich.

Seit Oktober 2018 ist Theresa Rinecker Generalsuperintendentin (Regionalbischöfin) im Sprengel Görlitz der Theresa Rinecker, Generalsuperintendentin im Kirchensprengel Görlitz der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Der Sprengel Görlitz umfasst Kirchenkreise von Görlitz bis Frankfurt/Oder und damit auch die Lausitz.