Unbelehrbar, unberechenbar, unweigerlich rollt die nächste Lawine der vorgeblichen Klima-Gerechten von Ende Gelände (EG) auf die Lausitz zu. In unserer Region werben die Organisatoren mit Kreidestimme um Akzeptanz für den geplanten Überfall, der am 1. Adventswochenende stattfinden soll.

Toralf Smith ist stellvertretender Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Leag, Gewerkschafter und arbeitet im Braunkohle-Kraftwerk Schwarze Pumpe. Er fürchtet, dass mit Ende Gelände extremistische Krawall-Touristen in die Lausitz kommen.
Toralf Smith ist stellvertretender Vorsitzender des Konzernbetriebsrats der Leag, Gewerkschafter und arbeitet im Braunkohle-Kraftwerk Schwarze Pumpe. Er fürchtet, dass mit Ende Gelände extremistische Krawall-Touristen in die Lausitz kommen.
© Foto: Toralf Smith

Sie scheuen dabei nicht mal vor dem Versuch zurück, unsere Kinder für ihre Zwecke einzuspannen, vereinnahmen „Fridays for Future“, verteilen Flugblätter an Schulen und lächeln freundlich auch aus dieser Zeitung, um uns weiszumachen, dass EG ganz anders ist: weiblich, fröhlich singend, fast eine coole Mädchenband, die in den Weltklima-Charts ganz vorn mitspielt.

Man muss schon sehr naiv sein, um dem offensichtlichen Wolf im Schafspelz das abzunehmen. Die Erinnerung an Pfingsten 2016 ist noch frisch. Jene Tage, an denen Tausende, zum Teil von weither heran gefahrene Krawalltouristen Maschinen im Tagebau Welzow-Süd besetzten, Kohlebahngleise blockierten und Zugentgleisungen provozierten, alles mit dem Ziel, mit Gewalt das Kraftwerk Schwarze Pumpe zum Abschalten zu zwingen. Als das nicht gelang, stürmte ein wütender Mob das Kraftwerk einfach.

Ende Gelände hat schon Schaden in Millionenhöhe verursacht

Das alles hat materiellen Schaden in Millionenhöhe und Imageschaden für die ganze Region verursacht. Und es trifft, trotz gegenteiliger Beteuerungen der Organisatoren, keinen anonymen Konzern. Es richtet sich mit unvergleichlicher Respektlosigkeit direkt gegen unsere Kollegen, die in der Kohle arbeiten, die Millionen Menschen, Industrie- und Gewerbebetrieben, Krankenhäusern und sozialen Einrichtungen mit ihrer Arbeit eine sichere Stromversorgung garantieren.

2016 – Ende Gelände besetzt Tagebau und Kraftwerk

Welzow und Schwarze Pumpe 2016 – Ende Gelände besetzt Tagebau und Kraftwerk

Es richtet sich gegen regionale Unternehmen, die von Aufträgen der Leag leben, und gegen Einzelhändler, die hier auch dank der Kaufkraft gut bezahlter Arbeit in der Braunkohle noch überleben.

Bis heute haben sich die Organisatoren nie von den gewaltsamen Übergriffen zu Pfingsten 2016 distanziert, geschweige denn entschuldigt. Gleiches gilt für die Unterstützer der Bewegung, die zum Teil wie Greenpeace und der BUND am Kompromiss der Kommission für Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung beteiligt waren, zugestimmt haben und diesen nun mit immer neuen Sofortausstiegsforderungen unterlaufen.

Grüne gehen nicht auf Distanz zu Ende Gelände

Auch die Grünen in Land, Bund und Europaparlament gehen nicht auf Distanz zu EG und dessen Gewaltpotential, sondern kündigen schon wieder an, sich mit sogenannten „Parlamentarischen Beobachtern“ selbst an den Besetzungen zu beteiligen. Ein Schulterklopfen für potentielle Straftäter.

Das Bundesamt für Verfassungsschutz stuft die Massenaktion zivilen Ungehorsams von EG als „linksextremistisch beeinflusste Kampagne“ ein. Kein Wunder, dass man auf den Barrikaden von Ende Gelände bedrohliche, schwarz vermummte Gestalten mit Antifa-Fahnen sieht. Auch für diese und deren Taten (im Rheinland brannten beispielsweise Fahrzeuge) ist EG mit verantwortlich. Wer die Kapelle bestellt, bezahlt sie, und wer als Dirigent sein Orchester nicht im Griff hat, sollte den Auftritt lieber absagen.

Ende Gelände: Aktion in der Lausitz am besten absagen

Das wäre sowieso das Beste. Die Lausitz befindet sich seit dem Strukturbruch vor 30 Jahren im ständigen Wandel. Der Kohleausstieg fordert von den Menschen hier ein weiteres Mal harte Einschnitte. Um das zu verkraften, brauchen sie Zeit und Unterstützung. Was wir nicht brauchen, ist die Belehrung von Leuten, die mit dem Kopf durch die Wand wollen und alle anderen zwingen mitzumachen, ohne Rücksicht auf demokratische Regeln, energiepolitischen Sachverstand und die Gesetze der Physik.

Am Ende ist doch jetzt schon klar: EG setzt keine Zeichen für den Klimaschutz, die nicht längst gesetzt wären. EG bewirkt auch mit der Brechstange keinen schnelleren Kohleausstieg. Der Lausitz bleibt allein der Schaden, den EG hinterlässt. Und das Klima sagt danke für gar nichts!

Was meinen Sie? Schreiben Sie uns zu diesem Gastkommentar Ihre Meinung an leserbriefe@lr-online.de. Beachten Sie dabei unsere Regeln.

Am 30. November 2019 lesen Sie die Gegenposition zum Gastkommentar von Toralf Smith: Ricarda Budke von der Grünen Jugend Brandenburg will dann begründen, warum sie geplante Aktionen von Ende Gelände in der Lausitz am 1. Adventswochenende 2019 gutheißt und sich daran beteiligt.

Das ist Toralf Smith


Toralf Smith wurde 1966 in Cottbus geboren und ist Vater von fünf Kindern. Seine Lehre zum Elektriker absolvierte er in der Braunkohleindustrie. Im Jahr 1988 wechselte er in das Kraftwerk Lübbenau, Seit 1996 ist er im Kraftwerk Schwarze Pumpe tätig.

2006 wurde Toralf Smith zum ersten Mal in den örtlichen Betriebsrat gewählt, seit 2010 ist er dessen Vorsitzender. Nach der Betriebsratswahl 2018 wurde er zum Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats der Lausitz Energie Kraftwerke AG sowie zum stellvertretenden Vorsitzenden des Konzernbetriebsrats der Leag gewählt. Darüber hinaus ist Smith Gewerkschaftler – „leidenschaftlich“, wie er selbst sagt.