Die aktuelle Corona-Pandemie stellt uns alle vor bisher nie dagewesene Herausforderungen. Die Landesregierung ist mit ihren Fachressorts auch dazu rund um die Uhr im Einsatz. Aber natürlich steht wegen Corona unsere Arbeit um die Strukturentwicklung für unsere Lausitz nicht still.

Das wirtschaftliche Leben der Lausitz wurde in der Vergangenheit von verschiedenen Branchen geprägt: von der Textil- und Glasindustrie über den Braunkohlebergbau, bis zum Anfang der 70ziger gewaltig anwachsenden Energiesektor. Das Herz der ostdeutschen Energieversorgung schlug im Energiebezirk Cottbus. Die Bedeutung der Braunkohleindustrie für die Region und für das Land Brandenburg lebt bis heute fort.

Diesen Industriezweig werden wir schrittweise, sieben Jahre früher als im Revierkonzept der Leag geplant, bis 2038 verlieren. Der Preis für den zeitigeren Ausstieg ist in der Kommission „Wirtschaft-Strukturwandel-Beschäftigung“ (KWSB) vereinbart worden.

Das Ergebnis der KWSB liegt inzwischen weitgehend in Gesetzentwürfen zu Kohleausstieg und Strukturentwicklung vor, die jetzt vom Bundestag und Bundesrat verhandelt werden.

Was bringt die Strukturentwicklung

Für den Zeitraum bis 2038 wird der Bund Strukturhilfen in Höhe von bis zu 17,2 Mrd. Euro für die gesamte Lausitz – also in Brandenburg und Sachsen – zur Verfügung stellen. Die vielfältigen Analysen zu unserer Lausitz haben immer wieder gezeigt, dass es dringend erforderlich ist, die Schienen- und Straßeninfrastruktur angebotsorientiert zu verbessern.

Die Lausitz als eine Region zwischen den Metropolen Dresden, Berlin, Breslau und Prag hat gute Chancen für die wirtschaftliche Entwicklung, wenn Schienenverbindungen zweigleisig und elektrifiziert sind und mit höheren Geschwindigkeiten befahren werden können. Straßen müssen die vorhandenen Industriegebiete rasch erschließen.

Die wichtigsten Projekte sollen zügig mit einem gesonderten Gesetz auf den Weg gebracht werden, dabei handelt es sich um Investitionen von etwa 3,03 Milliarden Euro.

Der Ausbau der Schienen bringt auch dem DB-Werk in Cottbus ganz konkret neue Chancen, ob Umbau von Lokomotiven auf neue Antriebe, Wartung ganzer ICE-Zugeinheiten – für all diese Tätigkeiten werden viele neue Industriearbeitsplätze entstehen.

Ein weiteres großes und sehr herausforderndes Projekt ist die universitäre Medizinerausbildung in Cottbus. Ministerpräsident Dietmar Woidke ist es gelungen, den Bund von der Bedeutung des Vorhabens zu überzeugen. Jetzt bedarf dieses Milliardenprojekt der intensiven Vorbereitung und Qualifizierung. Am Ende werden hier gute Arbeitsplätze für die Lausitz entstehen.

Bereits spürbar und sichtbar sind die Stellenangebote der Bundeseinrichtungen, die nach Cottbus kommen sowie die vielen Millionen Euro Investitionen in die Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg.

An der BTU werden gezielt Forschungscluster aufgebaut, die die Zusammenarbeit mit internationalen Unternehmen ausbauen. Ein Leuchtturm ist hier die Zusammenarbeit mit Rolls Royce.

Aber auch die Leag ist mit Hochdruck in der Entwicklung neuer Geschäftsfelder unterwegs und schafft so gute Perspektiven für das Unternehmen. Kurz: Die Strukturentwicklung ist nachhaltig angeschoben.

Was sind die Herausforderungen

Ein Selbstläufer wird die Strukturentwicklung in den nächsten zwei Jahrzehnten sicher nicht. Wir brauchen klare Strukturen und kluge Köpfe. Bei der Straffung der Strukturen sind wir auf gutem Weg, die Wirtschaftsregion Lausitz kann hier erfolgreicher Partner aller Akteure werden.

Die Berg-und Energiearbeiter der Leag werden auch für die sichere Energieversorgung noch über Jahre im Unternehmen gebraucht, das bedeutet: Für die neuen Jobs benötigen wir jeden, der hier eine Ausbildung absolviert sowie weitere Fachkräfte von außerhalb. Dafür müssen wir weltoffen auftreten und die Schönheiten und die Qualität unserer Lausitz selbstbewusst vertreten.

Der Ball des Handelns liegt bei den Parlamentariern im Bundestag. Die Gesetze um die Strukturentwicklung sind tiefgründig diskutiert, die Forderungen der betroffenen Länder nach Verlässlichkeit der Zusagen für die nächsten Jahrzehnte sind formuliert – es muss jetzt zügig in Berlin entschieden werden.

Eine zweite Chance für unsere Lausitz wird es so schnell nicht wiedergeben.

Zur Person


Klaus Freytag ist seit 12. Juni 2018 Lausitz-Beauftragter des Brandenburger Ministerpräsidenten. Freytag hat an der RWTH Aachen Bergbau studiert und arbeitete nach der Diplomprüfung und dem Abschluss des Referendariats am Landesoberbergamt Nordrhein-Westfalen 1990 sechs Monate lang an Projekten der Vereinten Nationen in Pakistan und Indien mit.

1990 bis 1993 war Klaus Freytag Fachbereichsleiter beim Braunkohlenbergamt Köln und absolvierte parallel ein Fernstudium Energiemanagement und -planung an der TU Berlin.

1993 wurde Freytag Abteilungsleiter im Oberbergamt des Landes Brandenburgs und 2001 ständiger Vertreter des Präsidenten des Landesbergamtes Brandenburg-Berlin. 2004 übernahm Klaus Freytag die Position des Präsidenten vom Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg.

Vor der Ernennung zum Lausitzbeauftragten war Freytag Abteilungsleiter „Energie und Rohstoffe“ beim Ministerium für Wirtschaft und Energie.