Wir erleben das dritte trockene Frühjahr hintereinander. Sinkende Grundwasserpegel, Waldbrände, trockene Felder und Gärten sind die Folge. Durch die langjährigen Eingriffe in die Natur, wie dem Kohleabbau, werden die Auswirkungen in der Lausitz zusätzlich verstärkt.
Die Klimakrise ist nicht nur ein globales Phänomen. Sie zeigt sich vor unserer Haustür als lokales Problem, welches wir spüren und sehen können und dessen Folgen greifbar sind.
Panikmache und Dramatisierung eignen sich nicht, um Menschen zum Mitmachen zu bewegen. Zumindest ist das meine Feststellung als Lausitzerin. Wir sind der Klimakrise nicht ausgeliefert.
Es gibt eine Vielzahl von Maßnahmen, die wir politisch und privat angehen können. Wir sollten lernen, mit dem Klimawandel zu leben und nachhaltig zu handeln. Wir tun das für jene, die nach uns kommen. Und: Das eigene Handeln hat Einfluss auf das große Ganze.

Waldumbau und Agrarwende als wichtige Schritte

Der Wald ist unsere grüne Lunge. Wir erleben ein dramatisches Waldsterben, das seine Ursachen im Klimawandel hat. Allein der Kampf gegen den Borkenkäfer, der die Lausitzer Wälder hart trifft, kostet Millionen. Der Waldumbau hin zu klimastabilen und standortgerechten Mischwäldern ist notwendig.
Die Landwirtschaft kämpft mit vertrocknenden Böden, Erosion, späten Frösten und dem Verlust der Wirtschaftsgrundlagen. Die Agrarwende ist unumgänglich, um die Grundlagen für die Landwirtschaft selbst und die Nahrungsproduktion erhalten zu können.
Der Anbau trockentoleranter Sorten und abwechslungsreicher Fruchtfolgen sowie regionale Kreisläufe von der Produktion bis zum Verkauf sind erforderlich.
Wasser bedeutet Leben. Fließgewässer zu renaturieren, Auenflächen rückzugewinnen und die Schaffung von mehr Grün- und Wasserflächen in den Kommunen sind hierbei nur drei direkt umsetzbare Maßnahmen. Die Verantwortung liegt auch in den Städten und Gemeinden. Der Einsatz für die Umwelt kann sich dort als Standortfaktor auszahlen.
Wir können mit unserem täglichen Handeln zum Klimaschutz beitragen: Sei es mit der Übernahme von Baumpatenschaften, dem sparsamen Umgang mit Energie und Wasser oder der Unterstützung der regionalen Landwirtschaft. Dafür sind wir alle gefragt, denn Klimaschutz bedeutet letztendlich auch aktiver Schutz unserer Heimat.

Strukturwandel, aber nachhaltig

Bei allen Klimaschutzmaßnahmen muss für die Lausitz der nachhaltige Strukturwandel im Mittelpunkt stehen. Transformationsdruck gab es bereits vor der Corona-Pandemie. Wir befinden uns aktuell aber in doppeltem Zugzwang: Wir müssen die Wirtschaft wieder in Gang bringen und ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig sichern.
Das sollten wir als Chance sehen. Wirtschaftsförderung sollte sich zukünftig an Nachhaltigkeitskriterien und Gemeinwohl ausrichten. Das schafft Widerstandskraft in Krisen.
Die Lausitz ist der ideale Ort, um das umzusetzen. Sie ist Energie- und Textilregion, sie besitzt ein vielfältiges Handwerk, Produktion, Innovationskraft – und Platz.

Die Lausitz als Motor für die Zukunft

Wir haben hier alles, was es für zukunftsträchtige Wirtschaftszweige wie die erneuerbaren Energien, Kreislaufwirtschaft oder Medizin- und Bioökonomie braucht. Mit dem damit verbundenen stabilen Einkommen können wir Menschen überzeugen, dass die Transformation gelingt.
Bund und Länder stellen enorme Mittel bereit. Es ist unsere Pflicht, sie so einzusetzen, dass sie nicht nur die Gegenwart stabilisieren, sondern Zukunftsfähigkeit schaffen und sichern. Dabei braucht es eine ernsthafte Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger, denn wir stehen vor einer Generationenaufgabe.
Über den Austausch schaffen wir die Akzeptanz für unsere gemeinsame Zukunft und den Wegen aus den drängenden Krisen dieser Zeit.
Franziska Schubert, B90/Die Grünen
Franziska Schubert, B90/Die Grünen
© Foto: Matthias Gahmann

Zur Person


Franziska Schubert wurde 1982 geboren und ist in der Oberlausitz aufgewachsen.

Sie ist Wirtschafts- und Sozialgeografin und seit 2014 Abgeordnete für Bündnis 90/Die Grünen im sächsischen Landtag sowie im Kreistag Görlitz.

Sie ist die haushalts- und finanzpolitische Sprecherin der Landtagsfraktion und hat seit Ende Januar 2020 den Fraktionsvorsitz inne.