Der Bund hat es sich im Zuge des Digitalpaktes zur Aufgabe gemacht, die Digitalisierung im Schulalltag zu fördern. Allein in Cottbus stehen den Schulen in den kommenden fünf Jahren mehr als vier Millionen Euro für Investitionen in digitale Techniken zur Verfügung. Auch am Max-Steenbeck-Gymnasium diskutieren wir Schüler über die sinnvolle Verwendung der Fördermittel. Ich finde, dass die Fördermittel nicht nur auf den Kauf von Hardware beschränkt bleiben dürfen. Von dringender Wichtigkeit ist es, den Schülern den richtigen Umgang mit den Geräten zu vermitteln.

Dabei rede ich nicht von Kursen, die die Funktionsweise der technischen Geräte erklären. Es mag für die ältere Generation schwer nachzuvollziehen sein, wie ein Smartphone überhaupt funktioniert. Doch die Schüler haben sich das entsprechende Wissen meist schon selbst angeeignet. Detaillierte Erklärungen zum Speichern von Dokumenten oder An- und Abschalten der Geräte sind also völlig überflüssig.

Allerdings sind die negativen Auswirkungen der bewusst oder unbewusst falschen Verwendung des Internets vielen Jugendlichen nicht klar. Es beginnt beim Posten von peinlichen Partyfotos, die im ungünstigsten Fall noch Jahre später von potenziellen Arbeitgebern im Internet angesehen werden können. Das Ende der risikoreichen Verwendung des Internets ist für junge Menschen, wie Schüler es sind, nur ansatzweise absehbar.

Cottbus/Spree-Neiße

Das zeigt ein Beispiel aus der Praxis: Beliebt unter den Schülern ist es – um die spärlich bestückten Sparbüchsen zu schonen – sich den Zugang zu einem Streaming-Anbieter zu teilen. Doch diese Praxis ist umstritten. In den USA wurden bereits hohe Geldstrafen verhängt. Einige meiner Mitschüler glauben nun, dass es ausreicht, die GPS-Funktion am Smartphone auszuschalten, weil das Unternehmen nicht mehr wisse, wo man sich befindet.

Dies ist ein großer Irrtum. Unternehmen verfügen auch ohne eingeschaltetes GPS-Signal mittels IP-Adressen oder WLAN über Standort- und allerlei sonstige Informationen über den Nutzer. So mag es dem Streaming-Anbieter auf den ersten Blick verschlossen bleiben, wo sich der Kunde aktuell aufhält, doch im Datenaustausch mit anderen Unternehmen bleibt nichts geheim.

Ein anderes, noch viel gravierenderes Beispiel sind die Sprachassistenten wie Alexa. Diese antwortet dem Nutzer nicht nur auf spezifische Fragen, sondern speichert die Sprachaufnahmen des Nutzers, wie eine Störwanze in einer Cloud. Dadurch wird der unbefugte Zugriff auf sensible Daten der Kunden durch Dritte wesentlich vereinfacht. Doch im Schadensfall muss der Nutzer selbst haften, schließlich hat er der Datenschutzerklärung des Unternehmens zugestimmt. Es ist also notwendig, sich über die Verwendungsmöglichkeiten der Daten im Klaren zu sein.

Deshalb meine Bitte: Bieten Sie – unabhängig von den Mitteln des Digitalpaktes – den Schülern die Möglichkeit, sich über die Risiken zu bilden. Sonst mag es zwar äußerst technik- und informatik-affine junge Menschen in der Schule der Zukunft geben, diese werden jedoch nicht über einen pflichtbewussten Handlungsrahmen verfügen, innerhalb dessen sie versuchen, die Welt zu verbessern.

Wenn das geschafft ist, können technische Geräte wie Smartphones und Tablets auch im Unterricht als wichtiges Arbeitsmittel eingesetzt werden. Heute mag das Handy noch in der Schultasche verschwinden müssen, damit wir Schüler uns auf den Unterricht konzentrieren, doch das Ignorieren der technischen Möglichkeiten kann nicht der richtige Ansatz sein, um die Herausforderungen der Zukunft in Angriff zu nehmen.

Wie ist Ihre Meinung dazu? Schreiben Sie uns an leserbriefe@lr-online.de (Bitte Namen und Adresse angeben).

Zur Person


Elise Wolf wohnt zusammen mit ihrer Familie in Cottbus und absolviert die 11. Klasse am Max-Steenbeck-Gymnasium. In ihrer Freizeit spielt sie Akkordeon, sowohl solistisch als auch im Jugendakkordeonorchester des Konservatoriums Cottbus. Aktuell steckt sie viel Energie in die diesjährige Teilnahme am Deutschen Orchesterwettbewerb in Bonn. Einen konkreten Berufswunsch hat die 16-Jährige noch nicht.