Das Kohleausstiegsgesetz ist beschlossen. Die Unterstützer der Energiewende jubeln. Während im Gesetz analog zum Atomausstieg termingenau Abschaltungen der Kraftwerke aufgeführt sind, gibt es keinerlei Festlegungen zum Ersatz der dann fehlenden Leistung.

Erneuerbare können fehlende Kohle-Energie nicht ersetzen

Bis Ende 2022 verschwinden 13,8 Gigawatt Kohlekraftwerksleistung, parallel zur Stilllegung der letzten deutschen Kernkraftwerke (acht Gigawatt). Dann fehlen etwa 20 wetter- und tageszeitunabhängige Gigawatt, 2030 dann über 30. Der Ersatz der gesicherten Leistung ist auch durch die Aufhebung von Solardeckeln und Änderungen der Abstandsregeln bei der Windkraft nicht möglich. Abends geht die Sonne unter und im Winter ist fast jede Flaute auch eine Dunkelflaute.
Dabei hätte es des Kohleausstiegsgesetzes eigentlich nicht bedurft. Der im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) seit 20 Jahren verankerte Einspeisevorrang sollte dazu führen, dass konventionelle Anlagen durch Ökostromanlagen dauerhaft verdrängt werden. Das funktioniert aber nur temporär.
Der gesicherte Anteil der Produktion liegt bei null Prozent (Solarstrom), bei einem Prozent (Wind onshore) und zwei Prozent (Wind offshore). Im Klartext: Die Erneuerbaren schaffen es nicht. Ein fast vollständiges Backup bleibt nötig, von dem allerdings niemand weiß, woher es kommen soll.

Berlin/Cottbus

Stromspeicher sollen es richten

Weil dies nun erkannt wird, ruft man „Speicher“. In Kürze wird die „BigBattery“ in Schwarze Pumpe in Betrieb gehen, Europas größter Batteriespeicher. Sie kann 53 Megawattstunden Strom aufnehmen, was der Produktion des gleichnamigen Kraftwerks von zwei Minuten entspricht und etwa auch dem Verbrauch Berlins in zwei Minuten. Oder anders gerechnet: Um nur eine Tagesproduktion dieses einen Kraftwerks für windarme Zeiten zu puffern, bräuchte es 725 solcher Geräte in einem Kostenumfang von etwa 18 Milliarden Euro.
Da dies offensichtlich nicht zielführend ist, wird nun nach Wasserstoff gerufen. Wasserstoff ist aber kein abbaubarer Energierohstoff, sondern ein Energieträger, der energieaufwändig hergestellt werden muss.
Das teuerste Verfahren ist die Elektrolyse mittels Ökostrom. Mehr als 40 Pilotanlagen Power-to-Gas (P2G) sind deutschlandweit in Betrieb. In keiner ließ sich nachweisen, dass es möglich ist, Wasserstoff zu marktfähigen Preisen zu produzieren.
Deshalb geben die Netzbetreiber in ihren Szenarios an, dass P2G-Anlagen nicht vor 2035 leistungswirksam sein dürften. Dennoch sollen nun Anlagen als Wasserstoffkraftwerke an Standorten wie Schwarze Pumpe gebaut werden. Um Ökostrom mittels Wasserstoff zu speichern, bedarf es der Prozesskette Power-to-Gas-to-Power mit einem Gesamtwirkungsgrad von etwa 25 Prozent im Vergleich zu 100 Prozent bei sofortiger Nutzung des Stroms. Dies ist keine Stromspeicherung, sondern Energieverschwendung, die zudem gigantische Überkapazitäten regenerativer Stromerzeugungsanlagen erfordern würde.
Da diese Überkapazitäten mit geringer Energiedichte und riesigem Flächenbedarf in unseren Gefilden nicht installierbar sind, heißt es nun: Wasserstoff aus Afrika.

Hohe Energiepreise als Folge

Verlierer wird unsere Kinder- und Enkelgeneration sein, die neben der demografischen Last hohe Energiepreise aufgebürdet bekommt und den Abgang der Industrie wird erleben müssen. Nicht nur Strom, jegliche Energie wird im Preis weiter steigen. Die CO2-Steuer belastet alle Produkte und viele Dienstleistungen. Jede Tüte Mehl, die in den Supermarkt transportiert wird, jede Schulbusfahrt wird teurer.
Das Oberziel ist die Dekarbonisierung Deutschlands bis 2050. Die dann eingesparten Emissionen werden bis dahin durch das globale Bevölkerungswachstum um ein Mehrfaches übertroffen sein. Man wird dann feststellen, dass der Klimawandel weitergeht und dass der entscheidende Parameter nicht die eingesparten CO2-Mengen sind, sondern die stabile Netzfrequenz von 50 Hertz.

Zur Person


Frank Hennig, Diplomingenieur für Kraftwerksanlagen und Energieumwandlung, ist ehemaliger Kraftwerker und Betriebsrat, parteilos und Gewerkschafter, lebt in Peitz. Er ist Autor des Buches „Dunkelflaute oder warum Energie sich nicht wenden lässt“.