Auch wenn die Entwicklung sehr positiv verläuft, die Arbeitslosigkeit in der Lausitz ist immer noch höher als im Bundesdurchschnitt. Auf 5800 offene Stellen kommen 19.800 Arbeitslose. Nicht jede Arbeitsstelle ist für jeden Bewerber attraktiv. Und nicht jeder, der arbeiten möchte, findet Arbeit. Dies betrifft vor allem Ältere und Langzeitarbeitslose.

Heinz-Wilhelm Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Cottbus.
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Für junge Menschen sieht das anders aus. Sie haben oft allerbeste Chancen, eine Ausbildung oder Arbeit aufzunehmen. Vor wenigen Jahren gab es an Cottbuser Schulen von Lehrern noch den Tipp: „Geht nach der Schule nach Berlin oder besser gleich in den Westen, hier gibt es eh’ keine Perspektive für euch!“

Dieser Rat war falsch. In den 90er-Jahren war die Lage noch prekär: zu wenige Ausbildungsstellen, die häufig schlecht bezahlt waren. Mehr als ein Drittel der Schulabgänger verließ die Lausitz, um eine Ausbildung woanders zu beginnen – oft auf Nimmerwiedersehen.

Südbrandenburg: Hunderte Lehrstellen bleiben unbesetzt

Doch das Blatt hat sich gewendet. Unternehmen suchen händeringend nach Auszubildenden und Fachkräften. 600 bis 800 Lehrstellen bleiben jährlich in Südbrandenburg unbesetzt. Besonders Betriebe im Handwerk, in der Gastronomie und in der Pflege sind davon betroffen. Die Zahl der arbeitslosen jungen Menschen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gesunken. Die Quote liegt im Agenturbezirk Cottbus unter fünf Prozent und ist damit oftmals sogar unter dem Bundesdurchschnitt.

Was ist das Erfolgsrezept? Wir unterstützen jeden jungen Menschen dabei, seine Stärken zu entdecken und daraus etwas zu machen. Wir „bleiben dran“, fördern und fordern, zeigen Perspektiven auf. Das wird manchmal als unbequem oder nervig wahrgenommen, denn wir bleiben konsequent und lassen nicht locker.

Am Ende zahlt es sich für den Jugendlichen aus, einen Berufsabschluss in der Tasche und ein erfülltes Arbeitsleben zu haben. Kein junger Mensch sollte in sein Berufsleben mit Arbeitslosigkeit starten.

Nachwuchsmangel: Einige Fimen müssen sich mehr engagieren

Und trotzdem gibt es immer noch arbeitslose junge Leute. Derzeit sind es immerhin 921. Muss das wirklich sein? Schaut man genauer hin, gibt es viele individuelle Gründe dafür. Doch Lebenssituationen können sich positiv verändern, Ursachen behoben, Hindernisse ausgeräumt werden. Dabei helfen wir jedem Einzelnen.

Bis meine ganz persönliche Vision „Kein einziger arbeitsloser Jugendlicher in der Lausitz“ Wirklichkeit wird, ist noch viel zu tun. Das geht nicht von heute auf morgen. Das eine oder andere Unternehmen muss sich stärker für die Nachwuchskräftegewinnung engagieren, eine bessere Bezahlung und bessere Rahmenbedingungen realisieren.

Das ist aber nur eine Seite der Medaille, die andere Seite ist die Motivation der jungen Leute selbst. Nicht wenige junge Arbeitsuchende wirken nicht ausreichend mit. Erschreckend viele beenden ihre Arbeitsuche mit einer Krankschreibung. Das entscheidende Kriterium für die erfolgreiche Aufnahme einer Ausbildung/Arbeit ist aber der eigene Wille.

Berufsstart ohne Schulabschluss ist schwierig

Ein Hindernis ist ein fehlender Schulabschluss. Oft liegt das nicht an mangelnder Intelligenz, sondern hat andere Gründe. Ein Start ins Berufsleben ohne Schulabschluss ist schwierig. Aber man kann einen Schulabschluss nachholen. Dazu ist es nie zu spät. Anderen fehlt der Berufsabschluss. Das Risiko, arbeitslos zu werden, ist ohne eine abgeschlossene Ausbildung deutlich höher.

Manch ein Jugendlicher möchte nach der Schule schnell Geld verdienen und liebäugelt mit Jobs, für die keine Ausbildung erforderlich ist. Eine Milchmädchenrechnung. Solche Jobs sind oft nicht von Dauer.

Eine Berufsausbildung wirft im Laufe des Arbeitslebens sehr viel mehr Geld ab als eine Anlerntätigkeit. Sie ist eine ganz wesentliche Grundlage für ein selbstbestimmtes und finanziell gesichertes Leben.

Arbeitsagentur: Nachhilfe in der Ausbildung möglich

Nicht selten treten auch Probleme während der Ausbildung auf und geht die Motivation den „Bach herunter“. Daran muss Ausbildung nicht scheitern. Die Agentur für Arbeit kann Nachhilfeunterricht finanzieren oder durch gezieltes Coaching die Motivation wieder aufbauen.

Visionen und Träume sind oft die Realität von morgen. Allerdings fällt diese nicht vom Himmel, sondern ist das Ergebnis harter Arbeit. „Dranbleiben“ lohnt in jedem Falle.

Zur Person


Heinz-Wilhelm Müller, geboren 1959, verheiratet, zwei Söhne, lebt in Cottbus und leitet seit 14 Jahren die Agentur für Arbeit Cottbus mit elf Geschäftsstellen in Südbrandenburg.