Der Flächenbedarf in Deutschland ist groß, Siedlungs- und Verkehrswegebau, Industrie und Gewerbe fordern ihren Tribut. Der Lebensraum vieler Tier- und Pflanzenarten fällt zunehmend der menschlichen Nutzung zum Opfer.
In Brandenburg sind 9,5 Prozent der Landesfläche als Siedlungs- und Verkehrsfläche ausgewiesen. Das klingt nach nicht viel, aber zwischen 2000 und 2018 ist diese Fläche um 16,6 Prozent gewachsen, im Schnitt um 6,1 Hektar pro Tag. Der Trend hat sich zwar verlangsamt, ist aber immer noch zu hoch.
Die Bundesregierung möchte im Rahmen der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie den Flächenverbrauch in Deutschland bis 2030 von derzeit 56 Hektar auf unter 30 Hektar pro Tag senken, und bis 2050 sogar auf „Netto-Null“. Das bedeutet, dass im gleichen Maße Flächen entsiegelt werden müssen, wie sie versiegelt werden. Für Brandenburg wurde vom Umweltbundesamt ein Zielwert von 1,3 Hektar pro Tag für den Zeitraum 2017 bis 2020 definiert.

Bodenversiegelungen zerstören Natur und Organismen

Bodenversiegelungen bedeuten den totalen Verlust der natürlichen Bodenfunktionen. Daher gilt es vorrangig, Neuversiegelungen zu vermeiden. Böden sind ein wertvolles und begrenztes Gut. Sie puffern und filtern Schadstoffe, speichern Wasser und Nährstoffe, sind Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen. Außerdem haben Böden eine große Bedeutung für das globale Klima.
In einer Handvoll Boden können mehr Organismen leben als es Menschen auf der Erde gibt. Und die Biodiversität im Boden ist besonders vielfältig. Das reicht von Bakterien, Pilzen über Fadenwürmer bis hin zu Regenwürmern und Wirbeltierarten wie dem Maulwurf oder den vom Aussterben bedrohten Feldhamster.
Auch viele Insekten verbringen einen Teil ihres Lebenszyklus im Boden, etwa Ameisen und Springschwänze. Larven und Käfer leben nicht nur auf, sondern auch im Boden, etwa die Larven des Maikäfers. Erdwespen legen ihre Nester unterirdisch in Mäuse- oder Maulwurfbauten an.
Das Insektensterben steht also auch im Zusammenhang mit dem Flächenverbrauch und den Verlust von Böden als Lebensraum für diese Organismen.

Zerstörter Boden bindet Kohlenstoff nicht mehr

Im Boden werden 80 Prozent des terrestrischen Kohlenstoffs gebunden. Durch den Erhalt und den Aufbau organischer Substanz als Speicher für Kohlenstoff spielen Böden eine wichtige Rolle beim Klimaschutz. Insofern kommt auch dem Erhalt von Mooren und Niedermoorböden eine besondere Rolle zu.
Auf den intensiv genutzten Ackerflächen in Brandenburg sinkt derzeit aber der Anteil der organischen Bodensubstanz.
Dabei ist die organische Bodensubstanz nicht nur gut für den Klimaschutz, sondern kann helfen die Folgen des Klimawandels abzumildern. Humusreiche Böden können Wasser und Nährstoffe länger speichern, mindern die Folgen von Hitzewellen und Starkregen.
All das zeigt: Der Boden lebt. Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroorganismen reinigen Wasser und Luft und sorgen für fruchtbare Böden. Intakte Selbstreinigungskräfte der Böden und Gewässer sind wichtig für die Gewinnung von Trinkwasser. Die natürliche Bodenfruchtbarkeit sorgt für gesunde Nahrungsmittel.
Immer mehr Böden können diese Funktionen nicht mehr erfüllen. Neben der Versiegelung und der intensiven Landwirtschaft werden Böden auch durch den Eintrag von Schadstoffen und mittlerweile sogar von Plastik gefährdet.

Natürlichen Boden erhalten und schützen

Ein sorgsamer Umgang mit der begrenzt verfügbaren Ressource Boden ist dringend geboten. Die Nachhaltigkeitsstrategie des Landes Brandenburg muss konkrete Ziele für den Bodenschutz formulieren. Der Einsatz von Pestiziden muss in der Landwirtschaft drastisch reduziert werden, sodass die Bodenfruchtbarkeit gemehrt und nicht abgebaut wird.
Und es kann noch mehr getan werden: Gewerbegebiete sollten auf Industriebrachen statt auf der grünen Wiese gebaut werden – ein Brachflächenkataster kann hier helfen, wassergebundene Decken sind als Teilversiegelung besser als eine Versiegelung mit Beton oder Asphalt, Bodenbegrünung im Vorgarten ist besser als Schottergärten, Garagenzufahrten sollten nur soweit gepflastert werden, wie unbedingt nötig, Mehrfamilienhäuser und Reihenhäuser sind hinsichtlich des Flächenverbrauches besser als Einfamilienhäuser.

Zur Person

Carsten Preuß, 1962 in Luckenwalde (Teltow-Fläming) geboren, ist seit 2016 Vorsitzender des BUND Brandenburg. Er studierte von 1988 bis 1993 an der Sektion Landwirtschaft der Humboldt-Uni Berlin. Von 2018 bis 2019 war Preuß Mitglied des Landtags Brandenburg und Sprecher für Umwelt, Haushalt und Finanzen der Linksfraktion.

Er ist unter anderem Mitglied im neu gebildeten Kulturlandschaftsbeirat beim Ministerium für Landwirtschaft Brandenburg, im Vorstand des Kuratoriums des Naturparks Nuthe-Nieplitz-Niederung und Vorsitzender des Fördervereins Naturpark „Baruther Urstromtal“ e. V.