Fußball, der Volkssport in Deutschland. Mit großer Begeisterung wenden sich jedes Wochenende Millionen von Menschen diesem Schauspiel zu. Wer von uns denkt dabei schon an Habgier, Geltungssucht und Machtgerangel?

Ich betrachte den Fußball hierzulande aber auch international nicht mehr als Sport, sondern als kommerzielles Produkt.

Gelder werden hin und her transferiert. Millionengehälter für Spieler, Trainer und Manager. Provisionen für Spielerberater und Talent­­­­◘scouts. Die Fußball-Bundesliga ist nur ein kleiner Teil des Abbildes dieser gigantischen Finanzindustrie. Es erschreckt mich, wie sehr eine Sportart zum unwürdigen Spielball der Gewissenlosigkeit verkommen ist.

Ware Spieler

Zahlreiche Fußballprofis haben einen Marktwert auf dem Transfermarkt. Dort wird wie mit Gütern gehandelt. Die Ware ist jeder einzelne Spieler. Der Menschenhandel ist im Fußball ein wesentliches Kriterium zur Erzielung des maximalen Ertrages. Dieses System ist professionell durchorganisiert.

Die größten Fußballvereine bauen und unterstützen Leistungszentren weltweit. Die besten Talente werden abgeworben, damit sie schlussendlich zur absoluten Gewinnmaximierung beitragen. Schließlich darf der unermessliche Geldregen nicht aufhören in die Taschen einiger Weniger zu strömen.

Aber wer sind diese Wenigen? Ein Beispiel ist Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern München AG. Dank seines hochrangigen Postens wird er gewiss nicht darben müssen. Ein Mann, der es sich nicht nehmen ließ, im Oktober 2018 auf das Grundgesetz zu verweisen.

Auslöser dafür waren Kritiken in der Presse an einigen Bayern-Profis. Das reichte für Rummenigge, um empört nach dem Grundgesetz zu rufen und die Unantastbarkeit der Würde des Menschen einzufordern. Die Ernsthaftigkeit seiner Aussage konnte ich ihm nun wirklich nicht abnehmen. Welche Würde meint er denn?

Schließlich besitzt der FC Bayern eine Partnerschaft mit Qatar Airways, einem katarischen Staatskonzern und unterstützt damit das Land Katar, diesen Fußballgiganten. Es geht hier um einen Staat, der Frauen diskriminiert, der Homosexuelle zum Tode verurteilen kann. Ist das Menschenwürde à la FC Bayern München? Oder identifiziert man sich im Freistaat Bayern einfach mit den politischen Ansichten Katars?

Die Gier ist unermesslich

Klar ist, viele europäische Top-Vereine finanzieren sich durch zwielichtige Partnerschaften. Wobei, kann man denn heutzutage überhaupt noch von Vereinen sprechen? Es sind zum Großteil Unternehmen, die das fußballerische Geschehen in der Bundesliga bestimmen. Investoren oder Milliardäre kaufen Anteile oder gleich einen ganzen Club in Europa. Ihre Unsummen von Geld sollen sich schließlich noch weiter vermehren.

Der wirkliche Fußball ist womöglich nur noch in den Kreisligen zu finden. Dort spielt Geld nur sehr selten eine tragende Rolle. Vielmehr sind es der Spaß am Fußball, das Gemeinschaftsgefühl und die Zeit mit vertrauten Menschen. Ebendies macht diesen Sport zu dem Wahrhaftigen, der er doch sein sollte.

Und die Fans? Manche lehnen sich gegen dieses Vorgehen auf, protestieren, demonstrieren oder konfrontieren die Geld- und Machthungrigen direkt. Und doch sind sie Teil des ganzen Systems.

Hunderttausende Zuschauer strömen jährlich etliche Male in die Stadien. Sie bejubeln sehr reiche Spieler bei deren Vervielfachung des jeweiligen Kontostandes. Sie kaufen Fanartikel von Adidas und Co., die zur Produktion ihrer Waren, Arbeiter zutiefst ausbeuten und mit Hungerlöhnen abspeisen.

Was bringt die Zukunft?

Die Frage ist: Wie geht es weiter im Geschäft des Fußballs? Steigt die Kommerzialisierung unaufhaltsam an? Da fällt mir ein sehr zeitloses Zitat des Lyrikers Bertolt Brecht ein: „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“.

Wer glaubt, der Hunger wäre irgendwann gestillt, der weiß gar nicht, wie groß dieser denn tatsächlich ist.

Zur Person


Wilhelm Tarnow, geboren 1997, hat nach dem Abitur in seiner Heimatstadt Lübben Sozialversicherungsrecht studiert und arbeitet heute in der Bundesfinanzverwaltung.

Fußball ist seit seiner Kindheit ein wesentlicher Teil seines Lebens. Wilhelm Tarnow stellt sich an zahlreichen Wochenenden den Herausforderungen als Schiedsrichter als auch als Spieler. Nebenher verfasst und publiziert er Beiträge für Sportvereine.