Die Coronakrise macht auch vor unseren Tierheimen nicht halt. Besuchsverbot, Kontaktsperre, Vermittlungsstopp, das Ausbleiben von Spenden und Vermittlungsgebühren machen uns als gemeinnütziger Einrichtung das Weiterleben schwer. Und dennoch geht das Leben im Tierschutz weiter.

Fast täglich werden Fundtiere eingeliefert, Familien geben ihr Haustier ab, verletzte Tiere müssen von der Straße geborgen werden, oder die Behörde ruft an, weil ein Tier in Obhut genommen werden muss.

Wir können nicht einfach unsere Tierpfleger in Home-Office schicken. Auch Kurzarbeit ist keine Option, denn der Tierbestand ist gleichbleibend hoch, eher noch ansteigend, aufgrund der eingeschränkten Tiervermittlung. Die Tiere müssen versorgt werden und das täglich in gleichbleibendem Maße.

Cottbus/Luckau/Hoyerswerda

Aufgrund der Kontaktsperre dürfen die vielen ehrenamtlichen Helfer nicht kommen, ihre Arbeit müssen die Tierpfleger mit übernehmen. Überstunden und Mehrarbeit sind an der Tagesordnung, zumal die Tierpfleger im Schichtsystem arbeiten müssen, um das Infektionsrisiko zu minimieren.

Auch unsere Veranstaltungen und selbst das Tierheimfest für dieses Jahr mussten wir canceln, wieder eine Einnahmequelle, die ersatzlos wegfällt. Die Grundkosten des Tierheimes für die Bezahlung der Mitarbeiter, für Futter, Streu, Tierarzt, selbst die Müllentsorgung, Strom etc. laufen jedoch weiter.

Soforthilfe für Tierheime nötig

Für Unternehmen und Wirtschaftsbetriebe gibt es umfangreiche finanzielle Unterstützungen in Corona-Soforthilfe-Programmen, doch wir, als gemeinnützige Organisation, können davon nicht profitieren. Die Tierheime und Tierschutzvereine müssen um Spenden betteln, anstatt dass die staatliche Aufgabe der Förderung des Tierschutzes auch vom Staat übernommen wird.

Selbst der Tierschutzbeauftragte vom Land Brandenburg, Stefan Heidrich, bittet in einer Pressemitteilung im April um Spenden für die Tierschutzvereine. Warum kann der Staat nicht ein Soforthilfe-Programm für gemeinnützige Tierschutzorganisationen auflegen? Ist die Tätigkeit eines Tierheimes nicht systemrelevant?

Das Land Brandenburg hat ein paar Fördertöpfe für Tierheime, allerdings projektbezogen für Baumaßnahmen, die Anschaffung von Betriebsmitteln oder die Kastration von Streunerkatzen.

Tierschutzverein Finsterwalde Wenn Maikätzchen zur Plage werden

Finsterwalde

Doch ob in diesem Jahr noch viele Baumaßnahmen durchgeführt werden können, ist unklar, weil einfach die Eigenmittel knapp werden. Die Kastrationsgelder waren leider schon von jeher nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Es fehlt einfach an einer Grundfinanzierung für die Tierheime.

Tierschutz ist Staatsziel und im Grundgesetz verankert. Doch Geld möchten der Staat, der Landkreis, die Städte und Gemeinden eher keines dafür ausgeben. Pauschalzuschüsse lehnen inzwischen fast alle ab oder reduzieren sie auf ein Minimum.

Pauschal unterstützen statt nach Einzelfall

Einzelfallabrechnung ist das Schlagwort. Da wird um jede Fundkatze gefeilscht, ob es sich um ein Fundtier oder ein herrenloses Tier handelt. Dann kann man als Behörde nämlich über seine Zuständigkeit streiten. Sowieso wird nur ein Minimalbetrag für die Unterbringung bezahlt und dann auch nur für maximal einen Monat. Am besten darf die Unterbringung und Versorgung des Tieres gar nichts kosten.

Wird ein Tier vom Besitzer im Tierheim abgegeben, zahlt dieser maximal einen einmaligen Unkostenbeitrag. Ist dieses Geld aufgebraucht, muss das Tierheim selbst sehen, wie es das Tier weiter finanziert, bis eine neue Familie gefunden wird.

Einen Lichtschimmer gibt es aber am Horizont. Derzeit gibt es sehr viele Tierinteressenten, das Tierheimtelefon steht kaum still, das E-Mail-Postfach läuft über. Vielleicht liegt es daran, dass viele Menschen jetzt mehr Zeit haben, zu Hause sind oder sich aufgrund der Kontaktbeschränkungen nach einem Sozialpartner sehnen.

Die Tiervermittlung läuft nun langsam und geordnet wieder an, terminlich geregelt, damit Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden.

Wir hoffen natürlich, dass dieses Interesse auch nach Corona noch anhält und irgendwann alles wieder in seinen Bahnen läuft. Und ganz besonders hoffen wir, dass wir und andere Tierschutzvereine die Krise unbeschadet überstehen, damit wir auch weiterhin für die ungewollten Haustiere da sein können.

Zur Person


Dr. Annett Stange ist in Dresden aufgewachsen, hat Biologie studiert und im Fachbereich Virologie promoviert.

Von Kindesbeinen an war Annett Stange ehrenamtlich im Tierschutz und Tierheim tätig, erst im städtischen Tierheim in Dresden und seit 1999 im Tierschutzligadorf in Neuhausen/Spree.

Seit Juli 2008 ist sie hauptamtliche Tierheimleiterin im Tierschutzligadorf Neuhausen/Spree. Seit Februar 2016 ist Annett Stange zusätzlich Geschäftsführerin Tierschutz in der Tierschutzliga Stiftung.