Sehr geehrter Herr Minister Axel Vogel, das dritte Trockenjahr in Folge wird für unsere Region angekündigt (US-Wetterdienst Nationale Behörde für Ozean und Atmosphäre, NOAA).
Wasser fehlt überall. Unser Klima verändert sich. Die Wetterdaten erreichen jedes Jahr neue Rekordwerte. Besonders betroffen davon ist die Lausitz. Damit unsere Heimat nicht künftig zur Steppe wird, hält der ehemals flächendeckende Bergbau die Möglichkeit bereit, dem entgegenzusteuern. Alle Tagebaurestlöcher sind bei der Sanierung vorsorglich mit einer Staulamelle ausgestattet worden.

Trockenzeiten und Starkregen im Wechsel

Woher das Wasser nehmen? Die Besonderheit der fortschreitenden Klimaänderung besteht unter anderem darin, dass Großwetterlagen „stehen bleiben“. Dadurch kommt es sowohl zu längeren Trockenzeiten, als auch zu Starkregen mit zum Teil tropenartiger Ausprägung. Hochwässer mit millionenteuren Schäden sind die Folge.
Hochwasserspitzen abzuschöpfen und als Reserve für Trockenperioden aufzustauen, dafür bieten sich die Lausitzer Tagebauseen geradezu an. Voraussetzung dafür sind Wasserüberleiter, die nach Prof. Uwe Grünewald von der Brandenburgischen Technischen Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg, einen Abschlag bis zu 50 Kubikmeter/Sekunde ermöglichen.

Umweltamt erkennt Zeichen der Zeit nicht

Die aktuelle Situation zeigt, dass das Brandenburgische Umweltamt offensichtlich die Zeichen der Zeit nicht erkannt hat: Die Tagebau-Gewässer werden nur aus Sicht des Tourismus betrachtet.
Der bereits installierte wichtigste Überleiter zur Senftenberger Restlochkette in Neuwiese hat einen für Hochwässer unbrauchbaren Durchfluss von fünf Kubikmetern/Sekunde. Das ist ein Zehntel effektiver Kappung. Nachzulesen in der „Potenzialstudie“ von Professor Grünewald „zur dauerhaften Nutzung von Tagebauseen in den Einzugsgebieten von Spree und Schwarzer Elster für eine verbesserte Hochwasservorsorge und -bewältigung.“
Überschlägliche Berechnungen von Wasserwirtschaftlern zeigen, dass bei voller Ausschöpfung des Staupotenzials der Restlochkette von 63 Millionen Kubikmeter der Mindestabfluss (notwendig für BASF Schwarzheide) der Schwarzen Elster von 0,90 Kubikmetern/Sekunde theoretisch über zwei Jahre eingehalten werden kann.
Die gleiche Situation wie bei der Lausitzer Restloch-Kette besteht beim Cottbuser Ostsee. Da das zuständige Umweltamt eine Flutungsobergrenze von fünf Kubikmetern/Sekunde festgelegt hat, ist eine wirksame Abschöpfung von Hochwasser nicht möglich. Die vom Bergbau-Konzern Leag ausgebaute Stau-Lamelle von 1,70 Meter, welche die riesige Speicherkapazität von 32 Millionen Kubikmetern ermöglicht, ist umsonst. (Stichwort Wasserwerk Briesen).

Hochwasserschutz ist Generationen-Aufgabe

„Bitte bedenken Sie, Hochwasserschutz ist eine Generationenaufgabe“, so die Antwort der Landesregierung vom 17. August 2018 auf den Offenen Brief der Bürgermeisterin von Elsterwerda, Frau Anja Heinrich. „Nach dem Hochwasser von 2010 hat das Umweltressort die Planungen für einen umfassenden Hochwasserschutz verstärkt.“
Bis heute, das heißt nach vollen zehn Jahren, hat sich noch nichts getan! „Ja, es ist richtig, dass es aktuell noch keine konkreten Baumaßnahmen gibt“, wurde uns auf unsere Nachfrage vom Referat 24, Hochwasserschutz, Stabilisierung Wasserhaushalt des Brandenburger Ministeriums für Landwirtschaft, Umwelt und Klimaschutz am 30.  Januar 2020 mitgeteilt.
Bei den zu erwartenden klimatischen Veränderungen ist jeder Kubikmeter, der aus Hochwasserwellen ungenutzt an den Seen vorbei nach Norden abfließt, nicht hinnehmbar.

Zur Bürgerinitiative „Wasserreserve“


In der Bürgerinitiative engagieren sich Walter Karge, Klaus Hauptvogel und Hans-Joachim Emmrich.

Walter Karge ist 1940 in Senftenberg geboren und war 48 Jahre im Bergbau tätig. 2004 schied er als Länderbereichsleiter Brandenburg aus dem aktiven Dienst aus.

Klaus Hauptvogel wurde 1951 in Ortrand geboren und ist Diplommathematiker. Vor seinem Ruhestand war in der Markscheiderei der LAUBAG tätig. Hauptvogel wohnt sein ganzes Leben direkt am Fluss und hat dort so manches Hochwasser miterlebt.

Hans-Joachim Emmrich wurde 1939 in Guhrau/Schlesien geboren und ist Fachingenieur für Bewässerung, Diplomlandwirt sowie Leiter der AG „Regionales Wasser“ des Heimatvereins Calau. Er war jahrelang im landwirtschaftlichen Bereich Be- und Entwässerung tätig. Seit 54-Jahren zeichnet er zudem als nebenamtlicher Mitarbeiter des Deutschen Wetterdienstes Potsdam (täglicher Niederschlag) Wetterdaten auf.